Ein Giacometti im Kultur- und Stadthistorischen Museum?

idol „das besondere stück“ – kleinode aus der sammlung köhler-osbahr

unter diesem motto stellt wilfried schaus-sahm herausragende einzelstücke der münz- und antikensammlung köhler-osbahr vor, die in der ‚aktuellen vitrine‘ im kultur- und stadthistorischen museum zu sehen sind.ist das moderne kunst? man könnte es vermuten, doch die nur knapp 11 cm große figur wurde bereits 1200 – 1000 v.chr. in bronze gegossen.

derartige kleinplastiken aus der vor- und frühgeschichte werden als idole bezeichnet, weil man davon ausgehen kann, dass sie eine kultische bedeutung hatten.

sie könnten objekte eines zeremoniellen tauschhandels gewesen sein oder eine rolle in begräbnisriten gespielt haben. der große aufwand zu ihrer herstellung, die wahl des edlen materials und nicht zuletzt ihr ästhetischer wert deuten darauf hin, dass sie ein kostbarer persönlicher besitz waren und vereinzelt ihrem besitzer ins grab beigegeben wurden. mit dem aufkommen der abstrakten kunst im 20. jahrhundert wurden die idole wieder entdeckt. bedeutende künstler der moderne griffen die prähistorische bildsprache auf. hans arp zum beispiel oder auch constantin brancusi orientierten sich bei ihren plastiken an den wiederentdeckten vorbildern.

das in der aktuellen vitrine der köhler-osbar-sammlung ausgestellte männliche idol läuft von der körpermitte nach unten – wie ein nagel – spitz zu und stammt aus nord-ost-anatolischem gebiet. mit seinem vogelartig modellierten kopf und den ausgebreiteten armen verblüfft es den betrachter tatsächlich durch seine scheinbar abstrakt-moderne gestaltung.

die sammlung der köhler-osbar-stiftung befindet sich im kultur-und stadthistorischen museum, corputius-platz 1 und ist dienstags bis donnerstags von 10 – 17 uhr, freitags von 10-14 uhr, samstags von 10-17 uhr und sonntags von 10-18 uhr geöffnet.

 

Mercator Matinéen

matinee2014 «Ich möchte Weltenbürger sein, überall zu hause und überall unterwegs.»
(Erasmus von Rotterdam, 1465 – 1536)

Mercator war ein Stubenhocker

Von Blaise Pascal stammt die Vermutung, dass alles Unheil in der Welt letztlich daher rührt, dass der Mensch nicht zu Hause bleiben und still sein kann. Nun scheint es aber in unserer Natur zu liegen, keine Grenzen, auch keine geographischen, akzeptieren zu können. Bei der dritten Staffel der Mercator Matinéen haben wir deshalb dem Thema Reisen und Entdecken – im weit gefassten Sinne – einen Schwerpunkt gewidmet. Zu Beginn der Neuzeit hatte sich die Mobilität der menschlichen Spezies in dramatischer Weise entwickelt. Der Bau hochseetauglicher Schiffe vom Karavellen-Typus, aus der arabischen Welt stammende Kenntnisse über die astronomische Nautik, die Instrumentenverbesserung der Astrolabien und Quadranten machten monatelange Seefahrtsexpeditionen möglich. Gerhard Mercators geniale Idee der Kartenprojektion bot endlich bislang ungeahnte Sicherheit bei der Navigation und seine wegweisenden Ideen befinden sich heute in jedem GPS-Gerät. Obwohl selbst ein Stubenhocker, hat Mercator das Reisen enorm erleichtert. Seine kartographische Arbeit gründete nicht zuletzt wiederum auf Reise- und Expeditionsberichten. Die Beschwernisse solcher Unternehmungen – ob zu Land oder zur See sind aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehbar. Es heißt, dass Mercator solche Beschwernisse auch ungern auf sich nahm. Die Erfindung des Automobils, erst recht die Erfindung des Flugzeugs, der Bau ozeantauglicher Kreuzfahrtschiffe, die schwimmenden Städten gleichen, haben eine Industrie entstehen lassen, deren Auswirkungen auf unser Wirtschaftssystem und unsere ökologischen Lebensbedingungen immer dramatischer zutage treten. In diesem Zeitalter der billigen Verkehrsmittel kann jeder vom Sofa per Computer für den nächsten Tag einen Flug nach Mallorca buchen, der weniger kostet, als eine Taxifahrt vom Duisburger Süden zum Duisburger Norden. Die Folgen für die Atmosphäre verdrängen wir dabei gerne – ein Phänomen, das die Wissenschaft „Causale Distanz“ nennt. Wir lassen uns in unseren Fahrzeugen von einer freundlichen Computerstimme zur „Destination“ leiten und sind unterwegs in Welten, von denen Mercator oder Kepler nur träumen konnten. Die Reise ins Weltall ist keine Utopie mehr und der Weltraumtourismus lediglich noch eine Frage der Zeit. Nur der größte Lebensraum der Erde – tausende Meter tief im Ozean –ist bis heute nicht kartographiert und uns größtenteils unbekannt. Es waren mehr Astronauten im Weltall als Menschen in der Dämmerwelt der Tiefsee. Ich wünsche uns allen unterhaltsame und erkenntnisreiche Mercator Matinéen 2014. Eine von Marcel Proust einst formulierte Erkenntnis könnte dazu gehören: „Die wahren Entdeckungen bestehen nicht darin, neue Landschaften aufzusuchen, sondern neue Augen zu haben.“Landschaften aufzusuchen, sondern neue Augen zu haben.“

 

 

PDF des Programmheftes:
> pdf – programm der mercator matinéen 2014 

 

Sommerton

Sommerton-Logo Aus den Marienthaler Festspielen wird das sommerton-festival auf Schloss Diersfordt
Das Programm wurde am 20. März 2014 vorgestellt
Künstlerischer Leiter: Wilfried Schaus-Sahm
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Marienthaler Festspiele 2013 wechseln auf Schloss Diersfordt

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unter dem titel „marienthaler festspiele zu gast auf schloss diersfordt“ wird das im letzten jahr erfolgreich gestartete festival im august sein zelt neben dem ebenfalls nahe bei wesel liegenden schloss diersfordt aufbauen.

inmitten einer intakten naturlandschaft und wunderbar abgeschiedener umgebung aber dennoch zentral liegt die 1432 entstandene schlossanlage diersfordt – mit rustikalem, aber stilvollem ambiente, einer rokoko-kirche auf dem schloss-platz und eigenen wasserflächen. die anlage befindet sich heute im privatbesitz.

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weitere informationen: www.sommerton.de

grandioser schlusspunkt beim marienthaler festival in diersfordt: >> artikel rheinische post

 

Mercator Matinéen

matinee2013 «Oh Säculum, oh Jahrhundert, oh Wissenschaft! Es ist eine Lust zu leben!» (Ullrich von Hutten , 1500)

Die Beschreibung und Vermessung der Welt

 

Die diesjährigen Mercator Matinéen beginnen mit einem Vortrag über ein Genie, das vor 500 Jahren „die Renaissance über die Alpen nach Deutschland holte“ (DER SPIEGEL). Albrecht Dürer verstand sich wie Gerhard Mercator als „Weltbildner“. Seine Aquarelle zeigten Stadtansichten erstmals so, dass der Betrachter sie in Einzelheiten wiedererkennen konnte. Einen Steinwurf von Dürers Werkstatt entfernt verkaufte Martin Behaim dem Rat der Stadt den vermeintlich ersten Erdglobus. „Nürnberg leuchtet wahrlich in ganz Deutschland wie eine Sonne – unter Mond und Sternen“ schwärmte Martin Luther und tatsächlich ist in dieser „Metropole“ das neue Streben nach Genauigkeit, nach wissenschaftlicher Erkenntnis exemplarisch zu verfolgen. In Frankreich wiederum wagt es der große Humanist Michel de Montaigne, sich einer Vielzahl von Themen unverstellt zu nähern und auch teilweise alltäglichste Phänomene aus konkreter Erfahrung und ohne scholastische Vorgaben zu beschreiben. Er wird mit seinen Essays zu einem Vorläufer der Aufklärung. Dass diese Epoche der Beschreibung und Vermessung der Welt zugleich der Beginn der Welteroberung, der Unterwerfung von Völkern und der systematischen Ausplünderung ihrer Schätze und Rohstoffe ist – also die negativen Seiten dessen aufzeigt, was wir heute Globalisierung nennen – auch diesen wichtigen Aspekt werden wir beleuchten.

Gerhard Mercator hat die Entdeckung der Gesetze der Planetenbewegung durch Johannes Kepler nicht mehr erlebt. Der spannende und revolutionäre Prozess der Entstehung eines neuen Weltbildes wird uns beschäftigen und wir lassen uns davon berichten, welches Weltbild die heutige Wissenschaft hat, wie sie unseren Planeten in der heimischen Galaxis, der Milchstraße, einordnet. Zwei Vorträge machen deutlich, dass selbst der große Gerhard Mercator als Begründer der modernen Kartographie “auf den Schultern von Riesen” stand: Wir würdigen seinen Lehrer Gemma Frisius, der die Mathematik bei der Vermessung und Navigation in einer neuen Art und Weise anwandte und stellen die bedeutenden Kartographen und Astronomen des arabisch-islamischen Kulturkreises vor, die das Wissen der Spätantike gerettet hatten und führend in der Entwicklung von technisch-wissenschaftlichen Geräten waren.

Wilfried Schaus-Sahm (Idee, Konzept, Programm)

m-matineen_heft_2013 (pdf)

 

Verein „marienthaler festspiele e.v.“

mk_logo verein-MF

sitzend von links nach rechts:
sabine metro-beushausen (künstlerbetreuung)
michaela kannenberg (organisation und ticketing)
angelika patt (presse-und öffentlichkeitsarbeit)

stehend von links nach rechts:
volker beushausen (foto und design)
christel sahm (dokumentation)
dr. michael patt (vereinsvorsitzender)
dirk czernik (finanzen)
wilfried schaus-sahm (künstlerische leitung)

 

programm der „marienthaler festspiele“ 2012

2012_marienthaler festspiele_info (pdf)

www.sommerton.de

live at the codebar

Code-th

„live at the codebar“ (1,20 x 10,55 m)
das dem pianisten joachim kühn gewidmete, großformatige bild wird am 12. januar 2012 parallel zu einem auftritt des joachim kühn berlin-paris trio (joachim kühn p; sebastien boisseau b; christian lillinger dr) ausgestellt.

12.01.12 düsseldorf ärtztekammer-nordrhein
tersteegenstraße 9, 40474 düsseldorf
codebar

 

Kurt-Weill-Festival 2012

joachim_kuehn joachim kühn plays marie galante from kurt weill

auf anregung von wilfried schaus-sahm wird joachim kühn im rahmen des „kurt-weill-festivals 2012“ kompositionen von kurt weill bearbeiten.

joachim kühn, dessen trio-einspielung von weills „dreigroschenoper“ mit daniel humair (dr) und jean-francois jenny clarke (bass) bereits 1996 mit dem „preis der deutschen schallplattenkritik“ ausgezeichnet wurde, hat von prof. michael kaufmann den auftrag erhalten, eine suite zu den chansons aus „marie galante“ zu verfassen.

joachim kühn hat die besetzung seines quintetts für das projekt nunmehr bekannt gegeben.
joachim kühn p; rolf kühn cl; louis sclavis bcl/cl; sebastien boisseau b; ramon lopez dr
uraufführung auf der historischen bühne des bauhauses dessau; t.b.a.

Die Abenteuer des Prinzen Achmed

Urauffhrg.Dessau premiere der auftragskomposition für das kurt-weill-festival in dessau 2011 auf der historischen bühne des bauhauses.

neue musik zu dem filmklassiker „die abenteuer des prinzen achmed“ (1926) von lotte reiniger.
ausführende: das renaud garcia-fons sextett
idee und konzept: wilfried schaus-sahm
fotos von der uraufführung in dessau (link auf facebook)

Pensum

Einladung-Aussellung

 

wilfried schaus-sahm. pensum – neue bilder aus den jahren 2009/2010

22. januar 2011, 16.00 uhr, galerie rheinhausen

schaus-sahm ausstellung (1)

grußwort dr. jan pieter barbian

improvisationen von eckhard koltermann

lesung der gedichte von wilfried schaus-sahm durch wilhelm von hoegen

(siehe video unter menuepunkt gedichte)

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pensum –  wilfried schaus-sahm (einführung durch brüninghaus-knubel)

Rudolf Arnheim hat künstlerische Arbeit so beschrieben: „Die Kunst ist kein Betätigungsfeld für entspannte Leute. Die Reichtümer der Seele müssen durch bewusste und unbewusste Disziplin in eine organisierte Form gebracht werden und dadurch bedarf es einer Anstrengung der Konzentration.“ Das nennt Schaus-Sahm in dieser Ausstellung „Pensum“, sein Tagewerk – und gibt uns mit diesem Wort schon zu bedenken, dass eine gewisse Handwerklichkeit, ein stetiges Tun im Spiel ist. Schaus-Sahm erzählt z.B. auch gern von seinem Namen, der eine altdeutsch-dialektale Form von „Schuster“ sei.

„Kopf und Hand sind verwand“  so heißt ein Bild von Manfred Vogel, der für Schaus-Sahm eine wichtige Bezugsperson wurde, Dialogpartner, Mentor und Unterstützer bei der Malerei – nicht nur in „Traumzeiten“-  und dieser Titel  könnte auch über den Werken von Schaus-Sahm stehen. Auge und Ohr – diese beiden im Kopf angesiedelten Sinnesorgane – sind für ihn eminent wichtig. Seine visuelle Wahrnehmung der Welt – die Augenreize, die Wahrnehmungsreize  – führen zum Aufheben, zum Behalten, zum Auswählen. Zufällig gefundene, gleichsam ent-deckte Materialien, Formen,  Motive werden zu vielfältigen Anlässen und Ausgangspunkten für Bilder, und vielleicht entstehen auch auf diese Art seine Wortbilder, die wir in der Lesung seiner Gedichte soeben erleben durften. Das können Schnipsel aus der Warenwelt wie aus der digitalen Welt sein, Bilder jeglicher Art, Zeichen und Spuren von Eigenem oder Fremdem, Rätselhaftes oder Banales. Immer begleitet und inspiriert von Musik bearbeitet Schaus-Sahm das alles mir seiner Handschrift als Maler:  hier kommt die Hand-Arbeit ins Spiel, im weitesten Sinne,  auch ohne Scheu vor zeitgenössischen technischen Reproduktionsmethoden: sei es, dass er das i-pod nutzt, um spontan Fotografie und digitales Malen zu verbinden, oder seien es die digitalen Prozesse, auf deren Basis Tuschezeichnungen entstanden sind. Das alles muss jedoch einen gewissen Reiz für den Künstler auslösen, damit es aufgegriffen wird – intuitiv – assoziativ, von einem irgendwie persönlichen oder intellektuellen Interesse geleitet oder ganz vom Bildnerisch–Visuellen ausgehend, um dann in einer Art écriture automatique weiter bearbeitet zu werden. Manchmal verschwindet der Ausgangspunkt fast unter dem Weitermalen. Schichten überlagern sich ganz konkret als Farbe oder Collagematerial, und das ist auch  für den Betrachter sichtbar, der auf diese Weise gleichsam an diesem Arbeits-Prozess teilnimmt, indem er ihn in der Betrachtung nachvollzieht.

Charakteristisch sind die Aufteilungen im Bild, in denen Einzelelemente zu neuen Ordnungen und Gewichtungen malerisch zusammen gefasst werden: Abschnitte, Absätze wie bei einem Layout, unterschiedliche Formen- und Texturkomplexe zusammenstellend, nebeneinander, gegeneinander, überlagernd. Scheinbar willkürlich, aber doch von einer inneren visuellen Logik. Wie zufällig und improvisiert auch immer seine Bildfindungen zustande kommen, hier greift das, was Arnheim über die „unbewusste Disziplin“ und die „organisierte Form“ gesagt hat.

Überhaupt: das Ordnen. Wenn die freie gestische Malerei, das Kritzeln, die kalligrafischen Elemente, der offene Ausgang des Mal-Prozesses die eine Seite seiner Kunst ist, dann ist da auf der anderen Seite auch noch die freiwillige Beschränkung auf ganz bestimmte Formate, seien es die schmalen Hochformate oder die Quadrate der CD-Hüllen. Mit denen wird allerdings gespielt und variiert, komponiert und in immer wieder anderen Kombinationen neu formuliert. Dabei entstehen Tableaus – wie z.B. die große, 10 Meter breite Komposition, reduziert auf Schwarz-Weiß, der Schaus-Sahm ausnahmsweise einen Titel gegeben hat: Live at the Code Bar: ein Spiel mit Worten und damit Bedeutungen. Als visuelles Ausgangsmaterial haben ihn Barcodes –Strichcodes- interessiert  und da ihn beim Malen dieser Bilderserie ausschließlich Musik von Joachim Kühn akustisch begleitet hat, wurde das Ganze dann zu einem schöpferischen Event, der sozusagen live in der Code Bar stattfand – so wie Jazzmusiker oft ihre Produktionen nennen, die an bestimmten Orten aufgezeichnet wurden.  Seltsamerweise gibt es in Mackay im australischen Queensland wirklich eine Bar mit dem Namen – vielleicht könnte dies wiederum zu einer Kette von Assoziationen führen, die in der Völklinger Straße in Walsum zu neuem malerischen Weiterspinnen Anlass geben.
Cornelia Brüninghaus-Knubel
Cornelia Brüninghaus-Knubel war bis 2007 mehr als 20 Jahre lang Museumspädagogin im Duisburger Wilhelm Lehmbruck Museum und erhielt für ihre Verdienste die Mercator-Ehrennadel der Stadt Duisburg. Cornelia Brüninghaus-Knubel hat zahlreiche eigene Publikationen verfasst und arbeitet heute konzeptionell für Museen und im Rahmen von Lehraufträgen an Hochschulen.

(siehe auch video unter menuepunkt kunst/live at the codebar)