Buchpremiere des Romans „Denner“

Buchpremiere und Lesung aus dem Roman „Denner“ auf Einladung des
Vereins für Literatur Duisburg. 19.09.2022 (Siehe auch Menuepunkt
Veröffentlichungen)

Lesung und Buchpremiere:   
Montag, 19. September, 20 Uhr

Verein für Literatur
Stadtbibliothek Duisburg       
Zentralbibliothek
Steinsche Gasse 26     
47051 Duisburg

Hardcover mit Schutzumschlag 214 Seiten, 1 Farbbild,
90 g Cremeweiss-Papier
© 2022 Alle Rechte vorbehalten.
Druck und Verlag: Books on Demand, Norderstedt
ISBN 9783756200092
Hardcover    21.99 Euro /
E-Book   8,49 EUR / Aktionspreis für 8 Wochen 7,99 EUR 

Ab 1. September 2022 in über 6.000 Buchhandlungen
sowie 1.000 Onlineshops (Amazon, Thalia etc.) bestellbar.
BoD Buchshop: https://www.bod.de/buchshop/

programm der acoustics-konzerte 2022

Das Programm der acoustics-Konzerte 2022 wurde veröffentlicht. Künstlerische Leitung: Wilfried Schaus-Sahm / Infos und Tickets unter http://www.acoustics-konzerte.de

„Grappellis Geigenkasten – Konzertanekdoten“

Buchbeschreibung:
Auch Weltstars können nicht über Wasser gehen. Sie haben den meisten von uns ihr großes Talent voraus, ansonsten müssen Sie mit den gleichen Schwächen, Schrullen oder Gefährdungen leben. Wilfried-Schaus Sahm hat als künstlerischer Leiter verschiedener Musikfestivals über 30 Jahre einige Größen des Musikgeschäfts kennengelernt und erzählt in humorvollen, auch tragischen Anekdoten von diesen Begegnungen.
Das Buch schildert die oft heftigen Geburtswehen und die Fragilität großer Festivals. Es beschreibt ein Stück Duisburger Kulturgeschichte und zeigt anschaulich die Erfolge des Strukturwandels auf, die mit der Arbeit der Internationalen Bauausstellung (IBA) für die Montanstadt und das Ruhrgebiet erzielt wurden.

Hardcover mit Schutzumschlag
192 Seiten, 25 Farbbilder, 51 SW Bilder
120 g Fotomattpapier, Brillantdruck
© 2021 Alle Rechte vorbehalten.
Copyright © Wilfried Schaus-Sahm
www.schaus-sahm.de
wilss42@t-online.de
Covergestaltung: Digital Painting © Wilfried Schaus-Sahm
Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand, Norderstedt
ISBN 9783752689310
Verkaufspreis: 24.99 Euro

Ab sofort im Buchhandel und bei allen relevanten Online-Shops (Amazon, Thalia etc.) bestellbar.
Duisburg: Buchhandlung Scheuermann 
0203/20359         info@scheuermann.de
Mercator Buchladen               
0203/34682521   info@mercator-buchladen.de

Wesel: Buchhandlung Korn                    
0281/21876         kornbuch@web.de
Dinslaken: Buchhandlung Korn              
02064/58310       kornbuch@web.de 

absage der mercator matinéen 2020 / verschiebung in das jahr 2022

Der Matinée-Zyklus „Die Alte und die Neue Welt“ wird in das Jahr 2022 verschoben.

Das Kultur- und Stadthistorische Museum und die Mercator Gesellschaft sagen die Mercator Matinéen für 2020 vollständig ab.
Der für 2020 angekündigte Matinéen-Zyklus „Die Alte und die Neue Welt“ konnte aufgrund der Corona-Pandemie nach dem Auftakt mit der Lesung von Christian Brückner aus Alexis de Tocquevilles Werk „Über die Demokratie in Amerika“ nicht fortgesetzt werden.
Nun wird der gesamte Zyklus für 2020 abgesagt, da nicht absehbar ist, dass es in diesem Jahr noch möglich sein wird, die Vortragsreihe in der Atmosphäre stattfinden zu lassen, die die Besucher gewohnt sind und schätzen. Die Reihe „Die Alte und die Neue Welt“ wird in das Jahr 2022 verschoben. Schaut man auf die aktuelle Situation in den USA, kann davon ausgegangen werden, dass die Themen bis dahin nichts an Aktualität eingebüßt haben werden. Die Programmplanungen für 2021 laufen bereits. Geplant sind Vorträge und Lesungen, die sich unter dem Titel „Die Hälfte des Himmels“ mit der Entwicklung der Frauenrechte seit der Renaissance beschäftigen werden.

absage der acoustics-konzerte 2020 / verschiebung in den herbst 2021

Wegen der unsicheren Planung und der damit verbundenen vielfältigen Unwägbarkeiten werden die Konzerte der acoustics-Reihe in der Schlosskirche Diersfordt-Wesel abgesagt. Es ist aber gelungen, drei Konzerte des Programms in das Jahr 2021 zu verschieben. Die beteiligten Musikerinnen und Musikern waren dankenswerterweise bereit, ihre Konzerte im nächsten Herbst nachzuholen.
Die Termine stehen bereits fest:
So 05.09.2021 | 15 H Zsofía Boros (Ungarn)
So 19.09.2021 | 15 H Renaud García-fons / Claire Antonini (Frankreich)
So 03.10.2021 | 15 H Anja Lechner / Pablo Márquez (Deutschland, Argentinien)
Das Zusatzkonzert mit dem Duo Vadim Neselovskyi / Arkady Shilkloper muss leider entfallen. Weitere Infos unter:

http://www.acoustics-konzerte.de

mercator matinéen 2020

„Die Alte und die Neue Welt“

In Nürnberg kann man den ältesten erhaltenen Erdglobus der Welt, den Behaim-Globus, bewundern. Als Ritter Martin Behaim dem Nürnberger Rat 1492 seinen „Erdapfel” vorstellte, fehlte darauf noch Amerika. Christoph Kolumbus war gerade erst auf seinen Entdeckungsreisen dort angelandet. Wie wir wissen, blieb Kolumbus bis zu seinem Tod davon überzeugt, einen Seeweg nach Indien entdeckt zu haben. Americus Vespucci stellte dann nach Erkundung der südamerikanischen Küste in seinem europäischen Reisebestseller „Mundus Novus“ (lat. Neue Welt) Kolumbus Missverständnis richtig und dem Kartographen Martin Waldseemüller, der 1507 eine Weltkarte nach neuesten Erkenntnissen herausbrachte, war es schließlich vorbehalten, das „Neuland“ nach der weiblichen Form von Vespuccis Vornamen zu benennen – folgerichtig, denn auch Europa und Asia waren nach Frauennamen benannt. Für Gerhard Mercator blieb Amerika das neue Indien. So nennt er es auf seinen Weltkarten von 1538 und 1569. Er hält es auch für möglich, dass Amerika das sagenhafte Atlantis von Plato sein könnte. Die Urbevölkerung auf dem amerikanischen Kontinent bestand zum Teil aus Hochkulturen wie den Azteken oder Inka, die in komplex organisierten Gemeinschaften lebten. Jüngere Schätzungen differieren zwischen 70 und 110 Millionen Ureinwohnern zu Zeiten von Christoph Kolumbus. Ihre „Entdeckung“ veränderte das Leben auf beiden Seiten des Atlantiks immens. „Der größte Kulturaustausch der Weltgeschichte, der Columbian Exchange, brachte Errungenschaften wie das Pferd, das Hausschwein, Getreide und Bienen in die Neue Welt, aber auch existenzielle Probleme wie die Pocken und die Pest. Nach Europa gelangten wiederum Mais, Kartoffeln, Tomaten und Paprika.“ (Zitat Christina Trebbi „Der geheime Kontinent. 1492“).
Die Alte Welt war zu dieser Zeit politisch und räumlich an ihre Grenzen gestoßen. Kaiser Karl V., Herrscher über ein Reich, „in dem die Sonne niemals untergeht“, formte daraus ein mehr oder weniger zwangsweise zusammengebundenes Staatengebilde: Europa in seinen ersten Zügen. Der Habsburger verstand sich als europäischer Friedenswahrer, Beschützer des Abendlandes vor der Expansion des Osmanischen Reiches und Verteidiger sowie Reformator der römisch-katholischen Kirche.
Hatte Europa Ende des 15. Jahrhunderts begonnen, die Welt zu entdecken, auszubeuten und zu unterwerfen, muss Europa zu Beginn des 21. Jahrhunderts nun selbst seinen Platz zwischen den Weltmächten suchen. Die Europäische Union steckt dabei in einem Selbstfindungsprozess, für viele hat die europäische Idee an Strahlkraft verloren. Die Frage, wie sich Europas Zukunft gestaltet, wird für uns alle konkrete Auswirkungen haben.
Man landet schnell wieder in der Gegenwart, wenn man den Blick zurück auf Mercators Zeitalter lenkt.

Wilfried Schaus-Sahm (Konzept/Programm)

Eine Zeichnung , die Isidor von Sevilla im 7. Jahrhundert angefertigt hatte und 1472 als Illustration der bekannten Welt in einem Buch gedruckt wurde – zwanzig Jahre später war sie veraltet. (Aus: Jill Lepore, „Diese Wahrheiten“, Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, C.H.Beck 2019)

Das Programmheft der Mercator Matinéen als PDF zum Download

http://www.schaus-sahm.de/wp-content/uploads/2020/03/M-Matineen_Heft_2020_7.1-1.pdf

Programmvorstellung der Mercator Matinéen 2020 „Die Alte und die Neue Welt“

ausstellung „tondo“
galerie künstlerhaus goldstrasse, duisburg. 20.9.2019

acoustics-konzerte 2019

Das Programm der acoustics-Konzerte 2020 wurde veröffentlicht. Künstlerische Leitung: Wilfried Schaus-Sahm / Infos und Tickets unter http://www.acoustics-konzerte.de

mercator matinéen 2019

„Wo bitte geht’s nach China?“

„Die Geographie vertritt das Reisen und erweitert den Gesichtskreis nicht wenig. Sie macht uns zu Weltbürgern und verbindet uns mit den entferntesten Nationen. Ohne sie sind wir nur auf die Stadt, die Provinz, das Reich eingeschränkt, in dem wir leben. Ohne sie bleibt man, was man auch gelernt haben mag, beschränkt, begrenzt, beengt. Nichts bildet und kultiviert den gesunden Verstand mehr als Geographie.“ (Immanuel Kant)

Schon immer haben Menschen versucht, markante geografische Gegebenheiten zeichnerisch festzuhalten. Die ersten „Karten“ wurden in Tontafeln oder Tierknochen geritzt, erst in der griechischen Antike wird die Geographie und mit ihr auch die Kartographie, dann zu einer Wissenschaft. Ca. 150 n. Chr. verfasst der „Vater“ aller Geographen und Kartographen, Claudius Ptolemäus, in acht Bänden ihr Grundlagenwerk.„Chártes“ war bei den antiken Griechen das aus dem Blatt der Papyrusstaude hergestellte Papier. Die Notwendigkeit von Karten lag auf der Hand, denn die Routen der griechischen Seefahrer mussten festgehalten werden, damit die entdeckten Orte auch wiedergefunden werden konnten. Nach einem Bonmot des Philosophen Peter Sloterdijk hat Platon schon deshalb soviel Wert auf „absolute Wahrheiten“ in Mathematik und Geometrie gelegt, um dem täglich in Athen neu eintrudelnden Seemannsgarn etwas entgegenzusetzen.Zwei Jahrtausende später sind durch die Digitalisierung viele Papierkarten – wie auch „Tageszeitungen“- beinahe zu einem Anachronismus geworden. Solange sie funktionieren und genügend Strom haben, geben GPS-Geräte unsere exakte Position an, und wenn wir uns trotzdem verlaufen, verfahren, versegeln oder verfliegen, werden wir beruhigt: „Ihre Route wird neu berechnet!…“ . Hinter dem Display eines Smartphones oder Navigationsgerätes „verstecken“ sich aber nach wie vor Bestandteile einer genialen Erfindung von Gerhard Mercator, dem „Ptolemäus der Neuzeit“. Grund genug, das 450-jährige Jubiläum seiner revolutionären Kartenprojektion, die er erstmals 1569 auf seiner Weltkarte einsetzte, mit einer Podiumsdiskussion bei den Mercator Matinéen zu würdigen.„Als die Welt noch groß war, weit und unerforscht, wurde ihr Gewicht in Erfahrungen gewogen“, lautet der erste Satz der Biografie von Jürgen Goldstein über Georg Forster. Mit Forster und Friedrich Sellow widmen wir uns zwei immer noch unterbewerteten deutschen Entdeckern und mit dem Venezianer Marco Polo dem berühmtesten Reisenden des Mittelalters.Aber auch in unseren Tagen machen sich Abenteurer auf den Weg. Sie erkunden unbekannte, magische Orte oder hoffen, bei indigenen Völkern vermeintlich ursprüngliche Erfahrungen zu machen. Zwei von ihnen werden uns berichten, ob sie gefunden haben, was sie suchten.Die diesjährigen Mercator-Matinéen sind auch eine Ergänzung zur aktuellen Ausstellung „Sagenumwoben! Goldstädte, Paradiesorte und ferne Welten.“ im Kultur-und Stadthistorischen Museum. (16. Juni 2019 – 26. Januar 2020)

Wilfried Schaus-Sahm
(Konzept/Programm)
Mitglied des Beirats der Mercator-Gesellschaft Duisburg

Das PDF des Programmheftes zum Download:

M-Matineen_Heft_2019_17.1

Das Programm des Sommerton Festivals 2018 wurde am 8. März 2018 vorgestellt

Künstlerischer Leiter: Wilfried Schaus-Sahm

Ein Fenster zur Freiheit

Es kann gefährlich sein, zu musizieren. Der Lautenvirtuose Rolf Lislevand wird das diesjährige Festival mit einem Recital und Kompositionen u.a. von Robert de Visée in der Schlosskirche Diersfordt beenden. Im klugen Begleittext seiner CD „Mascerade“ führt sich Lislevand vor Augen, dass Visée wohl schon deshalb all seine kompositorische Kunst für den Sonnenkönig aufbrachte, weil er den Kopf auf den Schultern behalten wollte.

Der Perkussionist Mohammad Reza Mortazavi, der beim Sommerton-Festival ein umjubeltes Solokonzert nur auf der traditionellen iranischen Bechertrommel gab, musste seine Heimat verlassen, weil seine genialische Musikalität auf der Tombak die strengen Grenzen des Traditionellen hinter sich ließ.

“Weltmusik”

Umgekehrt hat auch das Verhältnis der europäischen Kulturen zu den „Musiken der Welt“ eine höchst problematische Geschichte. Konzerte fremder Musikkulturen wurden erstmals 1889 bei der Weltausstellung in Paris dem europäischen Publikum vorgestellt. Der Begriff der „Weltmusik“ hat seitdem eine wechselvolle Entwicklung genommen, wobei er lange eine Musikform bezeichnete, die unter dem Primat der europäischen Klassik mit exotischen Farbtupfern fremder Musikkulturen versehen wurde.

Mit „Weltmusik“ bezeichnet 1939 Joseph Goebbels die Musik deutscher Komponisten, die der Musik aller anderen Völker überlegen sei und damit eine „wahre Weltmusik“ darstelle. Noch 1968 spricht der Musikwissenschaftler Kurt Nemez-Fiedler weiterhin von der „tonangebenden abendländischen Kultur, der als Tatsache gegebenen europäischen Musik (als „Weltmusik“), die aufgrund ihrer Durchsetzungskraft berufen zu sein scheint, als Modellform zu fungieren.“

Verbot und Ächtung

Der Jazz wurde – ähnlich wie viele Musikkulturen – über anderthalb Jahrhunderte mit Verbot und Ächtung belegt. Unselige Zeiten, in denen „Swing tanzen“ in Deutschland verboten war und noch nach dem Krieg über die „Negermusik“ gelästert wurde. Auch Adornos Verdikt über den Jazz bleibt in Erinnerung, nach dem ein Anspruch von Modernität nur den Werken der Schönbergschule zukommt, obwohl in Adornos letzten Lebensjahren eine kurzzeitige Spielform des Jazz – der Free Jazz – gerade gezeigt hat, dass es neben der Zwölfton-Musik auch andere spannende Möglichkeiten der Atonalität geben kann.

Es ist auch noch nicht allzu lange her, dass sich die klassischen Konzerthäuser gegenüber Musikkulturen und Jazz sperrten und Stippvisiten klassischer Interpreten in das „Jazzlager“ kritisch beäugt wurden. Manchmal zurecht, kann man nur sagen, weil eine klassische Ausbildung eben nicht per se das Talent verleiht, auch zu „swingen“. Inzwischen beschäftigen sich klassisch ausgebildete Interpreten und Komponisten ernsthaft mit dem Jazz und den Musikkulturen der Welt.

Manche Künstler unserer Tage – wie der türkische Pianist Fazil Say – verschmelzen volksmusikalische Klänge mit den rhythmischen Möglichkeiten des Jazz. Alte Musik und Jazz-Improvisation gehen ebenfalls zusammen, wie die Lautenistin Christina Pluhar mit ihren Monteverdi-Programmen beweist und der Serpent-Spieler Michel Godard beim Sommerton-Festival mit seinem Ensemble vor ein paar Jahren einem begeisterten Publikum eindrücklich vorgeführt hat.

Jazzmusik in Polen

In Polen war Jazzmusik zunächst höchst umstritten und wurde u. a. wegen vermeintlicher Profanisierung der Werke Chopins kritisiert. Dies führte zu einem Verbot der Anstellung von Jazzbands durch die Polnische Musikergewerkschaft, das erst 1927 aufgehoben wurde. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland erlebte der polnische Jazz jedoch eine Blüte, als viele jüdische Musiker aus Deutschland (re)-emigrieren mussten.

„Als der Eiserne Vorhang den ganzen Ostblock hermetisch von der Außenwelt abschirmte, stellte der Jazz ein Fenster zur Freiheit dar. Er galt seinen Fans als Ausdruck eines anderen Lebensstils, und als Waffe des Kalten Krieges wurde er gezielt zum Transfer amerikanischer Werte in den Ostblock eingesetzt. Jazz wurde zu einer neuen Ausdrucksform des tief verwurzelten polnischen Freiheitsstrebens und begann, sich in einer vitalen Szene sehr eigenständig weiterzuentwickeln.“

(Gertrud Pickhan: Polski Jazz: Ein Fenster zur Freiheit. Bundeszentrale für politische Bildung 2009)

Leszek Możdżers Grenzüberschreitungen 

Am Eröffnungsabend der Muziekbiennale 2018 präsentiert das Sommerton-Festival unter anderem mit dem polnischen Staatspreisträger Leszek Możdżer eine Symbolfigur des polnischen Jazz seit den 1990er Jahren. Der Pianist, Komponist und Chopin-Interpret Możdżer ist beispielhafter Repräsentant einer neuen Generation von Musikern, die die Zeit der Verbote hinter sich gelassen haben und darüber hinaus auch wie selbstverständlich vermeintlich „verbotene“ Grenzüberschreitungen zwischen Jazz, Avantgarde und klassischer Musik praktizieren.

Wir freuen uns beim diesjährigen Sommerton-Festival auf insgesamt sieben Konzerte, bei denen errungene künstlerische Freiheit alle Ressentiments, ideologische oder musikalische Restriktionen lustvoll ad absurdum führt.


Wie sind Sie Jazzmusiker geworden und wie wichtig war Chopin in Ihrem musikalischen Leben?

Jazzmusik basiert auf Improvisation. Ich glaube nicht, dass man ohne Improvisation im wirklichen Leben weiterkommen oder überhaupt überleben könnte. Kreativität ist eine Gabe, die Gott den Menschen gegeben hat. Kreativ zu sein bedeutet immer auch, zu improvisieren. Chopin selbst hat ebenfalls improvisiert. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass ich nur durch Improvisation meine persönliche, innere Wahrheit ausdrücken kann. Deshalb habe ich mich entschlossen, ein Jazzmusiker zu sein.

Welche Rolle spielte Jazz während des Kalten Krieges?

Ich sehe die Sequenz der beiden Weltkriege, die Verstaatlichung des Privateigentums durch den “Sozialismus”, später den “kalten Krieg” und danach wieder die “Reprivatisierung” als einen klar umrissenen historischen Zyklus. Jazzmusik wurde in Polen während des kalten Krieges offiziell verboten, aber auf eine fast magische Weise hatte der Jazz eine ziemlich große Bedeutung in den fünfziger Jahren. Ich vermute, dass Jazz insgeheim auch dazu diente, die Vorstellung zu generieren, dass alles, was aus Amerika kommt, fantastisch ist. Das Unternehmenskapital brauchte eine authentische gesellschaftliche Bewegung, um die Übernahme der Polnischen Wirtschaft voranzutreiben, deshalb wurde Polen damals zu einem Zentrum der Jazzwelt. Aber als Nebeneffekt bekamen wir ein beeindruckendes Werkzeug, um Spiritualität auszudrücken, denn Jazz selbst ist eine Sprache der Seele. Wir wurden damals von einer psychopathischen Regierung versklavt und der Jazz hat uns geholfen, zu überleben. Für uns war es eine Sprache der Freiheit und das Versprechen einer besseren Zukunft.

Wie würden Sie heute die Bedeutung von Jazz in Polen beschreiben?

Das Publikum für Jazz in Polen ist breitgefächert. Viele junge Leute kommen zu Jazzkonzerten. Die junge Generation versteht den Jazz, sie nimmt seine wunderbare Botschaft auf und unterstützt sie. Junge Musiker haben erstaunliche Fähigkeiten und das durchschnittliche Niveau der Jazzmusiker in Polen ist sehr hoch. In der kommunistischen Zeit bot der Jazz eine der wenigen Möglichkeit des spirituellen Ausdrucks und seine Botschaft verbreitete sich bei denen, die ihre Seele suchten. Ich glaube, auch deshalb ist der Jazz in Polen heute so stark. Er ist immer noch ein Weg für spirituelle Sucher.
Jazz wird immer eine Sprache der Liebe, ein Werkzeug der Verbindung und spirituellen Synchronisation sein. Musik funktioniert nur über Resonanz und Kooperation. Du kannst keine gute Musik spielen, wenn du nicht zuhörst und deine Partner auf der Bühne nicht akzeptierst. Musik ist eines der Werkzeuge, um die Menschheit zu retten.