Ein Fenster zur Freiheit

 

Es kann gefährlich sein, zu musizieren. Der Lautenvirtuose Rolf Lislevand wird das diesjährige Festival mit einem Recital und Kompositionen u.a. von Robert de Visée in der Schlosskirche Diersfordt beenden. Im klugen Begleittext seiner CD „Mascerade“ führt sich Lislevand vor Augen, dass Visée wohl schon deshalb all seine kompositorische Kunst für den Sonnenkönig aufbrachte, weil er den Kopf auf den Schultern behalten wollte.

Der Perkussionist Mohammad Reza Mortazavi, der beim Sommerton-Festival ein umjubeltes Solokonzert nur auf der traditionellen iranischen Bechertrommel gab, musste seine Heimat verlassen, weil seine genialische Musikalität auf der Tombak die strengen Grenzen des Traditionellen hinter sich ließ.

“Weltmusik”

Umgekehrt hat auch das Verhältnis der europäischen Kulturen zu den „Musiken der Welt“ eine höchst problematische Geschichte. Konzerte fremder Musikkulturen wurden erstmals 1889 bei der Weltausstellung in Paris dem europäischen Publikum vorgestellt. Der Begriff der „Weltmusik“ hat seitdem eine wechselvolle Entwicklung genommen, wobei er lange eine Musikform bezeichnete, die unter dem Primat der europäischen Klassik mit exotischen Farbtupfern fremder Musikkulturen versehen wurde.

Mit „Weltmusik“ bezeichnet 1939 Joseph Goebbels die Musik deutscher Komponisten, die der Musik aller anderen Völker überlegen sei und damit eine „wahre Weltmusik“ darstelle. Noch 1968 spricht der Musikwissenschaftler Kurt Nemez-Fiedler weiterhin von der „tonangebenden abendländischen Kultur, der als Tatsache gegebenen europäischen Musik (als „Weltmusik“), die aufgrund ihrer Durchsetzungskraft berufen zu sein scheint, als Modellform zu fungieren.“

Verbot und Ächtung

Der Jazz wurde – ähnlich wie viele Musikkulturen – über anderthalb Jahrhunderte mit Verbot und Ächtung belegt. Unselige Zeiten, in denen „Swing tanzen“ in Deutschland verboten war und noch nach dem Krieg über die „Negermusik“ gelästert wurde. Auch Adornos Verdikt über den Jazz bleibt in Erinnerung, nach dem ein Anspruch von Modernität nur den Werken der Schönbergschule zukommt, obwohl in Adornos letzten Lebensjahren eine kurzzeitige Spielform des Jazz – der Free Jazz – gerade gezeigt hat, dass es neben der Zwölfton-Musik auch andere spannende Möglichkeiten der Atonalität geben kann.

Es ist auch noch nicht allzu lange her, dass sich die klassischen Konzerthäuser gegenüber Musikkulturen und Jazz sperrten und Stippvisiten klassischer Interpreten in das „Jazzlager“ kritisch beäugt wurden. Manchmal zurecht, kann man nur sagen, weil eine klassische Ausbildung eben nicht per se das Talent verleiht, auch zu „swingen“. Inzwischen beschäftigen sich klassisch ausgebildete Interpreten und Komponisten ernsthaft mit dem Jazz und den Musikkulturen der Welt.

Manche Künstler unserer Tage – wie der türkische Pianist Fazil Say – verschmelzen volksmusikalische Klänge mit den rhythmischen Möglichkeiten des Jazz. Alte Musik und Jazz-Improvisation gehen ebenfalls zusammen, wie die Lautenistin Christina Pluhar mit ihren Monteverdi-Programmen beweist und der Serpent-Spieler Michel Godard beim Sommerton-Festival mit seinem Ensemble vor ein paar Jahren einem begeisterten Publikum eindrücklich vorgeführt hat.

Jazzmusik in Polen

In Polen war Jazzmusik zunächst höchst umstritten und wurde u. a. wegen vermeintlicher Profanisierung der Werke Chopins kritisiert. Dies führte zu einem Verbot der Anstellung von Jazzbands durch die Polnische Musikergewerkschaft, das erst 1927 aufgehoben wurde. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland erlebte der polnische Jazz jedoch eine Blüte, als viele jüdische Musiker aus Deutschland (re)-emigrieren mussten.

„Als der Eiserne Vorhang den ganzen Ostblock hermetisch von der Außenwelt abschirmte, stellte der Jazz ein Fenster zur Freiheit dar. Er galt seinen Fans als Ausdruck eines anderen Lebensstils, und als Waffe des Kalten Krieges wurde er gezielt zum Transfer amerikanischer Werte in den Ostblock eingesetzt. Jazz wurde zu einer neuen Ausdrucksform des tief verwurzelten polnischen Freiheitsstrebens und begann, sich in einer vitalen Szene sehr eigenständig weiterzuentwickeln.“

(Gertrud Pickhan: Polski Jazz: Ein Fenster zur Freiheit. Bundeszentrale für politische Bildung 2009)

Leszek Możdżers Grenzüberschreitungen 

Am Eröffnungsabend der Muziekbiennale 2018 präsentiert das Sommerton-Festival unter anderem mit dem polnischen Staatspreisträger Leszek Możdżer eine Symbolfigur des polnischen Jazz seit den 1990er Jahren. Der Pianist, Komponist und Chopin-Interpret Możdżer ist beispielhafter Repräsentant einer neuen Generation von Musikern, die die Zeit der Verbote hinter sich gelassen haben und darüber hinaus auch wie selbstverständlich vermeintlich „verbotene“ Grenzüberschreitungen zwischen Jazz, Avantgarde und klassischer Musik praktizieren.

Wir freuen uns beim diesjährigen Sommerton-Festival auf insgesamt sieben Konzerte, bei denen errungene künstlerische Freiheit alle Ressentiments, ideologische oder musikalische Restriktionen lustvoll ad absurdum führt.


Wie sind Sie Jazzmusiker geworden und wie wichtig war Chopin in Ihrem musikalischen Leben?

Jazzmusik basiert auf Improvisation. Ich glaube nicht, dass man ohne Improvisation im wirklichen Leben weiterkommen oder überhaupt überleben könnte. Kreativität ist eine Gabe, die Gott den Menschen gegeben hat. Kreativ zu sein bedeutet immer auch, zu improvisieren. Chopin selbst hat ebenfalls improvisiert. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass ich nur durch Improvisation meine persönliche, innere Wahrheit ausdrücken kann. Deshalb habe ich mich entschlossen, ein Jazzmusiker zu sein.

Welche Rolle spielte Jazz während des Kalten Krieges?

Ich sehe die Sequenz der beiden Weltkriege, die Verstaatlichung des Privateigentums durch den “Sozialismus”, später den “kalten Krieg” und danach wieder die “Reprivatisierung” als einen klar umrissenen historischen Zyklus. Jazzmusik wurde in Polen während des kalten Krieges offiziell verboten, aber auf eine fast magische Weise hatte der Jazz eine ziemlich große Bedeutung in den fünfziger Jahren. Ich vermute, dass Jazz insgeheim auch dazu diente, die Vorstellung zu generieren, dass alles, was aus Amerika kommt, fantastisch ist. Das Unternehmenskapital brauchte eine authentische gesellschaftliche Bewegung, um die Übernahme der Polnischen Wirtschaft voranzutreiben, deshalb wurde Polen damals zu einem Zentrum der Jazzwelt. Aber als Nebeneffekt bekamen wir ein beeindruckendes Werkzeug, um Spiritualität auszudrücken, denn Jazz selbst ist eine Sprache der Seele. Wir wurden damals von einer psychopathischen Regierung versklavt und der Jazz hat uns geholfen, zu überleben. Für uns war es eine Sprache der Freiheit und das Versprechen einer besseren Zukunft.

Wie würden Sie heute die Bedeutung von Jazz in Polen beschreiben?

Das Publikum für Jazz in Polen ist breitgefächert. Viele junge Leute kommen zu Jazzkonzerten. Die junge Generation versteht den Jazz, sie nimmt seine wunderbare Botschaft auf und unterstützt sie. Junge Musiker haben erstaunliche Fähigkeiten und das durchschnittliche Niveau der Jazzmusiker in Polen ist sehr hoch. In der kommunistischen Zeit bot der Jazz eine der wenigen Möglichkeit des spirituellen Ausdrucks und seine Botschaft verbreitete sich bei denen, die ihre Seele suchten. Ich glaube, auch deshalb ist der Jazz in Polen heute so stark. Er ist immer noch ein Weg für spirituelle Sucher.
Jazz wird immer eine Sprache der Liebe, ein Werkzeug der Verbindung und spirituellen Synchronisation sein. Musik funktioniert nur über Resonanz und Kooperation. Du kannst keine gute Musik spielen, wenn du nicht zuhörst und deine Partner auf der Bühne nicht akzeptierst. Musik ist eines der Werkzeuge, um die Menschheit zu retten.

 

  „Man schaffe Schiffe und Segel, die sich für die Himmelsluft eignen. Dann wird es auch Menschen geben, die vor der öden Weite des Raumes nicht zurückschrecken werden. (Johannes Kepler 1610 als Kaiserlicher Mathematiker am Hofe Rudolf des II in Prag in seiner Dissertatio Cum Nuncio Sidereo an Galileo Galilei)

Der Blick in den Himmel

Zu den kostbarsten Exponaten in der Mercator-Schatzkammer des Kultur-und Stadthistorischen Museums gehört neben dem Erdglobus von 1541 der Himmelsglobus von 1551. Der belgische Historiker Marcel Watelet hat 1994 die Sternzeichen aufgelistet, die Mercator auf dem Himmelsglobus eingezeichnet hat. Man sieht Konstellationen von Figuren, die seit Zeiten des großen Geographen und Astronomen Claudius Ptolemäus ein System genauerer Verortung astronomischer Objekte bilden. Zugleich ist damit ein historischer Schatz an Mythen und Geschichten verbunden. Beim Blick in den Himmel schien der Mond – einziger natürlicher Satellit der Erde – immer schon nah genug, um sein Betreten zu erträumen, aber gleichzeitig fern und mystisch entrückt. Durch die Jahrhunderte hinweg haben sich Wissenschaftler, Musiker, Dichter, Maler, Filmregisseure mit ihm beschäftigt, und seit der Antike gab es Überlegungen, ob und wie man dort hingelangen könnte. Dabei wurden abenteuerliche, teils sehr poetische Transportmittel erdacht. Gürtel mit in Flaschen gesammeltem Tau, der tagsüber von der Sonne angezogen wird, sollten den Astronauten zum Mond befördern. Geflügelte Pferde, ein Wagen mit Gänseantrieb und einiges mehr wurden in Erwägung gezogen. Das wohl größte Genie der deutschen Wissenschaftsgeschichte, Mercators Zeitgenosse Johannes Kepler, hatte dann aber schon die Ahnung, dass wohl eine gewaltige Explosion nötig sein würde, um Menschen in das Weltall zu schießen. Meine Generation wurde am 21. Juli 1969 Zeuge, wie Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte. Der uralte Menschheitstraum war Wirklichkeit geworden. Die astronomische Erkundung des Universums war und ist seit jeher verknüpft mit einer Phantasie über außerirdisches Leben im All. Spekulationen, ob für Menschen auf einem anderen Planeten ein Leben möglich ist, konzentrieren sich seit langem auf den Mars. Seit sich im 17. Jahrhundert die ersten Fernrohre auf ihn richteten, gehört er zu den bestuntersuchten Himmelskörpern überhaupt. Auch die Pläne zur Besiedlung des Mondes werden immer konkreter. Experten der „Europäische Raumfahrtagentur ESA“ entwerfen bereits Zukunftsszenarien. Bis 2030 könnte die erste 3-D gedruckte Siedlung auf dem Erdtrabanten entstehen, die bis 2050 zu einem 1000-Einwohner-Dorf heranwächst. Der britische Astrophysiker Stephen Hawking plädiert schon seit langem angesichts der vom Menschen zu verantwortenden, rasant fortschreitenden Zerstörung unseres „Heimatplaneten“ und der Ausbeutung seiner Ressourcen dafür, sich für unsere Species einen anderen Ort im All zu suchen.

Ganz anders sah das der polnische Philosoph, Essayist und Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem. Er lässt in seinem mehrfach verfilmten Roman „Solaris“ Astronauten zu einem fremden Stern reisen. Sie finden auch dort nur sich selbst und sehen sich konfrontiert mit der Frage, ob wir statt anderer Welten nicht eher Spiegel brauchen.

Wilfried Schaus-Sahm (Konzept/Programm), Mitglied des Beirats der Mercator-Gesellschaft Duisburg

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Video der Aufführung von „Prince Achmed“ beim NDR-Hamburg

Das Video hat eine kleine Geschichte. Ich konnte bei meinem früheren Festival „Traumzeit“ ein Projekt nicht mehr verwirklichen, das mir sehr am Herzen lag. Die Vergabe einer Auftragskomposition für einen neuen Soundtrack zu Lotte Reinigers Animationsfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ (1926). Mit Unterstützung des Voerder Ehepaars Patt und des „Kurt Weill Festivals“ konnte das Werk dann doch auf der historischen Bühne des Bauhauses in Dessau 2011 mit stehenden Ovationen uraufgeführt werden. Der Wunsch, diese Produktion auch am Niederrhein zu zeigen, führte dann letztlich zur Gründung des Sommerton-Festivals. Ich freue mich sehr, dass der große Renaud Garcia-Fons am 25. August zusammen mit dem spanischen Flamenco-Pianisten David Pena Dorantes wieder bei uns zu Gast ist. Ich bin sicher, dass dieser virtuose Kontrabassist und sympathische Mensch in den Annalen später einmal genauso wie Scott La Faro, Oskar Pettiford, Jaco Pastorius als wichtiger Erneuerer seines Instruments genannt werden wird. (Wilfried Schaus-Sahm, Künstlerischer Leiter des Sommerton-Festivals)

(Foto: Volker Beushausen. Renaud García-Fons bei der Aufführung von „Prinz Achmed“ auf der Bühne des Bauhauses in Dessau)

Das Video entstand anlässlich der Aufführung von „Prinz Achmed“ beim NDR in Hamburg.

 

 

 mm17aussschnitt „Es ist ein allgemeiner Fehler des Menschen, in Zeiten der Meeresstille nicht mit dem Sturm zu rechnen.“
(Niccolò di Bernardo dei Machiavelli, (1469 – 1527), florentinischer Philosoph, Politiker, Diplomat, Chronist und Dichter)

Welt im Wandel 

Zwischen Höllenfurcht und Visionen vom „Goldenen Zeitalter“ werden in Gerhard Mercators Epoche gesellschaftliche und politische Weichen gestellt, die noch heute für uns von Bedeutung sind. Der Augsburger Kaufmann Fugger legt die Grundlagen des modernen Bankensystems und Finanzkapitals, in England begründet Oliver Cromwell den Parlamentarismus. Selbstbewusste Frauen betreten als Herrscherinnen, Dichterinnen und Malerinnen die große Bühne. Utopische Konzepte eines idealen Gemeinwesens werden entworfen. Der englische Staatsmann und Philosoph Thomas Morus gießt seine Utopie in die Form eines Reiseromans. Sein fiktiver Bericht über die Insel „Utopia“ – nach dem Vorbild der erst kurz zuvor von Kolumbus entdeckten „Neuen Welt“ –erscheint etwa zur gleichen Zeit wie Machiavellis Essay „Il Principe“. Während Morus den Menschen den Spiegel einer besseren Gesellschaft vorhält, erklärt Machiavelli, wie man politische Macht notfalls ohne Skrupel erobert und vor allem bewahrt. Das 15.–17. Jahrhundert war vor allem auch geprägt durch eine weltweite trans ozeanische Expansion, verbunden mit einem beispiellosen Raubzug in den eroberten Kolonien. Eine der Haupttriebkräfte der europäischen Kolonialmächte war dabei, nach der Einnahme Konstantinopels durch die Osmanen 1453, der Verlust der Kontrolle über die bisherigen Handelswege nach China und in den Orient. Der Konflikt mit dem osmanischen Reich gipfelte in der Belagerung Wiens durch die Heere Süleymans 1529. Mit der erfolgreichen Verteidigung der Stadt wurden die osmanischen Weltherrschaftspläne vorerst zurückgeschlagen.Diese Initialzündungen zur Eroberung der Welt zu Beginn der „Neuzeit“ führten in den folgenden 500 Jahren zu dem heutigen komplexen Phänomen der Globalisierung und setzten eine Entwicklung in Gang, deren Resultate wir zu unserem eigenen Schutz nunmehr hinterfragen müssen In letzter Zeit zeigte die internationale Banken- und Finanzkrise die Konsequenzen einer globalen Vernetzung der Wirtschafts- und Finanzsysteme überdeutlich auf. Zugleich entstehen schon durch die weltweit ungleichmäßige Entwicklung der Prosperität und Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen gewaltige Migrationsströme, die in Zukunft durch den Klimawandel noch sicherlich gesteigert werden. Mitte des Jahrhunderts könnten hunderte Millionen Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren. Die Lösung der Frage, wie auf dem Planeten eine nachhaltige Entwicklung zur Stabilisierung wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Prozesse erreicht werden kann, ist deshalb zu einer der wichtigsten Aufgaben der Politik geworden. Es gilt, sich zu vergegenwärtigen, dass sich die Welt vor unseren Augen radikal verändert. Nach einem leicht modifizierten Zitat des Philosophen Karl Marx stellen wir fest, dass der Mensch in der Gefahr steht, zwar seine eigene Geschichte zu gestalten, diese Geschichte jedoch gleichzeitig hinter seinem Rücken abläuft.
Wilfried Schaus-Sahm (Konzept und Programm) (Mercator-Gesellschaft Duisburg)

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Sommerton-Logo kunststiftung nrw fördert auftragskomposition von michael wollny und eric schäfer für das sommerton-festival 2017 (künstlerische leitung: wilfried schaus-sahm)

„MOON“
Nah genug um sein Betreten zu erträumen, gleichzeitig fern und mystisch entrückt ist der Mond die große Projektionsfläche der Menschheit. Durch die Jahrhunderte hinweg von Matthias Claudius` „Der Mond ist aufgegangen“ über den ersten Science Fiction Film „Le Voyage dans la Lune“ bis zu Pink Floyd´s „Dark Side Of The Moon“ spiegeln die Werke ihre jeweilige Epoche.
Das Kompositionsvorhaben von Michael Wollny und Eric Schaefer zielt in Kenntnis dieser inspirierenden Kulturgeschichte unseres Trabanten auf die Konzeption einer kammermusikalische Umgebung, in der Solisten improvisatorisch auf Mondreise gehen können.
Besetzung:
Michael Wollny (Klavier)
Eric Schäfer (Schlagzeug, Electronics)
Christian Weber (Bass)

The Norwegian Wind Ensemble – Leitung Geir Lysne
Das mit 22 Holz- und Blechbläsern aller Register besetzte Norwegian Wind Ensemble dürfte eine der traditionsreichsten und zugleich für verschiedene Stilwelten offensten Formationen aus dem hohen Norden bilden. Das Ensemble wurde 1734 als Militärkapelle gegründet, heute ist es ein Orchester, dessen Musiker die Grenze zwischen notierter symphonischer und aktueller improvisierter Musik aufheben.
,,(…) ein kontrastreicher, vielfarbiger Klangrausch aus Saxofonen, Oboen und Klarinetten, Trompeten, Hörnern und Flöten.“ (Jazzthing)Dass Jazz von der Improvisation lebt, ist hinlänglich bekannt – in der Klassik allerdings ist diese Art des Zusammenspiels – zudem mit einem 20 köpfigen Orchester – bisher noch ein Novum. Grund genug für Jazz Visionär Michael Wollny gemeinsam mit dem Norwegian Wind Ensemble aus genau diesen Koordinaten eine neue Form der Kollaboration ins Leben zu rufen. Jazz trifft auf Klassik in einem bisher wenig bespielten Terrain.Michael Wollny hat mit seinem Trio eine musikalische Einheit geschaffen, die im zeitgenössischen Jazz neue Maßstäbe gesetzt hat. Sie haben die Regeln des klassischen Jazz Piano Trios aus den Angeln gehoben und neu definiert. Und das, ohne auch nur eine Sekunde prätentiös oder angestrengt zu klingen. Das Ergebnis präsentiert sich – auch bei der großen Menge der Einflüsse, die hier Beachtung finden – immer völlig organisch und schlüssig. Nimmt man nun diese telepathisch eingespielte Einheit und stellt ihr ein 20 köpfiges norwegisches Bläserensemble mit ähnlich visionärer Vorgehensweise gegenüber kann man die neuerliche Grenzverschiebung der Möglichkeiten förmlich vorausahnen. Was das Michael Wollny Trio für den kontemporären Jazz ist, ist The Norwegian Wind Ensemble für die Neue Klassische Musik.The Norwegian Wind Ensemble ist mit seiner Geschichte, die bis ins Jahr 1734 zurückreicht, das älteste Orchester Norwegens und die älteste ununterbrochen aktive Kulturinstitution der Welt. Bis heute ist das Ensemble eine feste Größe in der Kultur ihres Heimatlandes, das sich neben der Aufführung historischer Musik im Rahmen seiner ›Real Time Music‹ Reihe indes genauso hingebungsvoll um komplett neue Improvisationsformen im Rahmen klassischer Musik kümmert. Durch die Verbindung aus traditionellen und modernen Instrumenten erreicht das Ensemble einen ganz eigenen Sound, der inzwischen in ganz Europa als Referenz und wichtiger Wegbereiter der zeitgenössischen »Neuen« Klassischen Musik gilt.2015 kam es zur ersten Berührung zwischen Michael Wollny und dem Norwegian Wind Ensemble, bei der Wollny gemeinsam mit Eric Schaefer ›Nosferatu‹ und in 2016 zusammen mit Christian Weber ›l´apres midi d´un troll‹ eine Debussy Bearbeitung bei gefeierten gemeinsamen Konzerten zur Aufführung brachten. Begeistert erkannte Wollny die Möglichkeiten und neuen Wege, die sich aus der Zusammenarbeit mit dem Norwegian Wind Ensemble ergeben würden und initiierte eine neuerliche Zusammenkunft – diesmal allerdings mit seinem kompletten Trio.

Die Zuschauer werden Zeuge, wie aus der Zusammenführung der Improvisation des Jazz im Rahmen der Klassik etwas völlig Neues entsteht!

Uraufführung am 26. August 2017. Sommerton-Festival. Schloss Diersfordt, Wesel.

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beckershausundname „Im Moment“ – Wilfried Schaus-Sahm, Bilder und Gedichte

5. November bis 2. Dezember 2016 / KünstlerMuseum ° Günther Beckers – an independent museum of art – „Chambre d´artiste“

Vernissage Samstag, den 5. November 2016, 16 Uhr, Ludwigsallee 79 – 52062 Aachen
Musik: Theo Jörgensmann, Klarinette / Lesung der Gedichte: Dr. Claus Cordes
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Bei der Vernissage im  stimmungsvollen „Chambre d´artiste“ des Künstlermuseums Günther Beckers: zwei Stunden intensive Gespräche über Malerei und Lyrik im Kerzenlicht, dazu Musik von Theo Jörgensmann, die aus dem Moment geboren wurde.

 

 

Es wird Wagen geben, die von keinem Tier gezogen werden und mit unglaublicher Gewalt daherfahren.“ (Leonardo da Vinci, italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph, 1452 bis 1519).

Das Neue ist nicht aufzuhalten

Es gibt die These, dass die Verheerungen durch die Pest maßgeblich zur Erfindung des Buchdrucks beigetragen haben sollen. Was auf den ersten Blick unsinnig erscheint, wird nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen führt, dass mit dem massenhaften Sterben schreibkundiger Mönche das Vervielfältigen von Texten und Büchern eine sehr viel dringlichere Angelegenheit wurde. Eine Ikone des digitalen Zeitalters, Bill Gates, hat die Bedeutung der Erfindung von Johannes Gutenberg vor kurzem erst hervorgehoben: „Gutenberg veränderte wirklich die Art, wie wir Wissen teilen und half der Welt, Entdeckungen zu machen, deren Ausmaß ohne das Buch nie möglich gewesen wären.“ Auch die Tatsache, dass Google, der größte Konzern, den die digitale Revolution hervorgebracht hat, Gerhard Mercator 2015 zum 503. Geburtstag ein Doodle auf seiner milliardenfach besuchten Startseite widmete, spricht dafür, dass spätestens mit dem 15/16. Jahrhundert eine sprunghafte Dynamik von Wissenschaft und Technik in Gang kam, nachdem religiöse Denkverbote wegfielen. Welche Großtaten vollbrachten die Universalgenies vor einem halben Jahr tausend! Allein Johannes Keplers und auch Gerhard Mercators gigantische Rechenleistungen machen in einer Zeit, in der Computer inzwischen Billiarden Kalkulationen pro Sekunde bewältigen, noch jeden Mathematiker ehrfürchtig. Unaufhaltsam brachen sich in der Folgezeit Neuerungen Bahn. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts stießen Wissenschaft und Kunst dann mit weitreichenden Folgen in den Bereich unsichtbarer Phänomene, Elemente und Kräfte vor. Vermehrt spielen Frauen dabei eine wichtige Rolle, was in der Kunst- wie Wissenschaftsgeschichte nach wie vor zu wenig gewürdigt wird. Gleichzeitig wurde schon früh von Philosophen, Natur- und Sozialwissenschaftlern auf die Gefahr der Verselbständigung der Technik hingewiesen. Technik, also die „Anstrengung, Anstrengungen zu ersparen“, hatte mit Faustkeil und Rad begonnen, inzwischen setzt sie uns in die Lage, über unsere biologischen Begrenzungen hinauszugehen. Mit Hilfe der Technik greifen wir derart tief in die Erdprozesse ein, dass man überlegt, eine neue geochronologische Epoche, das Anthropozän, einzuführen und der „Chefvisionär“ des Chip-Herstellers Intel prophezeit, dass in naher Zukunft intuitive und gefühlsfähige Computer in den Körper implantiert werden. Wohin diese Entwicklung uns führen soll, lässt sich mit Hilfe der Technik nicht beantworten. Der Mensch hat sich damit selbst vor eine neue Herausforderung gestellt.

Wilfried Schaus-Sahm (Konzept und Programm) (Mercator-Gesellschaft Duisburg)

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writinwater  „writ in water“ (galerie rheinhausen)

Wilfried Schaus-Sahm zeigt neue Werkreihen, u.a. eine 30-teilige Hommage an den Zeichner Horst Janssen. Der Kölner Musiker, Komponist und Multiinstrumentalist Dirk Raulf spielt zur Eröffnung am 23. Januar 2016 Stücke seines aktuellen Soloalbums.