beckershausundname „Im Moment“ – Wilfried Schaus-Sahm, Bilder und Gedichte

KünstlerMuseum ° Günther Beckers

an independent museum of art „Chambre d´artiste“

Musik: Theo Jörgensmann, Klarinette

Lesung der Gedichte: Dr. Claus Cordes

 

Samstag, den 5. November 2016, 16 Uhr,

Ludwigsallee 79 – 52062 Aachen – 0241 15 88 46

Um telefonische Voranmeldung wird gebeten

 

Es wird Wagen geben, die von keinem Tier gezogen werden und mit unglaublicher Gewalt daherfahren.“ (Leonardo da Vinci, italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph, 1452 bis 1519).

Das Neue ist nicht aufzuhalten

Einführung

Es gibt die These, dass die Verheerungen durch die Pest maßgeblich zur Erfindung des Buchdrucks beigetragen haben sollen. Was auf den ersten Blick unsinnig erscheint, wird nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen führt, dass mit dem massenhaften Sterben schreibkundiger Mönche das Vervielfältigen von Texten und Büchern eine sehr viel dringlichere Angelegenheit wurde. Eine Ikone des digitalen Zeitalters, Bill Gates, hat die Bedeutung der Erfindung von Johannes Gutenberg vor kurzem erst hervorgehoben: „Gutenberg veränderte wirklich die Art, wie wir Wissen teilen und half der Welt, Entdeckungen zu machen, deren Ausmaß ohne das Buch nie möglich gewesen wären.“ Auch die Tatsache, dass Google, der größte Konzern, den die digitale Revolution hervorgebracht hat, Gerhard Mercator 2015 zum 503. Geburtstag ein Doodle auf seiner milliardenfach besuchten Startseite widmete, spricht dafür, dass spätestens mit dem 15/16. Jahrhundert eine sprunghafte Dynamik von Wissenschaft und Technik in Gang kam, nachdem religiöse Denkverbote wegfielen. Welche Großtaten vollbrachten die Universalgenies vor einem halben Jahr tausend! Allein Johannes Keplers und auch Gerhard Mercators gigantische Rechenleistungen machen in einer Zeit, in der Computer inzwischen Billiarden Kalkulationen pro Sekunde bewältigen, noch jeden Mathematiker ehrfürchtig. Unaufhaltsam brachen sich in der Folgezeit Neuerungen Bahn. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts stießen Wissenschaft und Kunst dann mit weitreichenden Folgen in den Bereich unsichtbarer Phänomene, Elemente und Kräfte vor. Vermehrt spielen Frauen dabei eine wichtige Rolle, was in der Kunst- wie Wissenschaftsgeschichte nach wie vor zu wenig gewürdigt wird. Gleichzeitig wurde schon früh von Philosophen, Natur- und Sozialwissenschaftlern auf die Gefahr der Verselbständigung der Technik hingewiesen. Technik, also die „Anstrengung, Anstrengungen zu ersparen“, hatte mit Faustkeil und Rad begonnen, inzwischen setzt sie uns in die Lage, über unsere biologischen Begrenzungen hinauszugehen. Mit Hilfe der Technik greifen wir derart tief in die Erdprozesse ein, dass man überlegt, eine neue geochronologische Epoche, das Anthropozän, einzuführen und der „Chefvisionär“ des Chip-Herstellers Intel prophezeit, dass in naher Zukunft intuitive und gefühlsfähige Computer in den Körper implantiert werden. Wohin diese Entwicklung uns führen soll, lässt sich mit Hilfe der Technik nicht beantworten. Der Mensch hat sich damit selbst vor eine neue Herausforderung gestellt.

Wilfried Schaus-Sahm (Mercator-Gesellschaft Duisburg)

M-Matineen_Heft_2016

 

writinwater  „writ in water“ (galerie rheinhausen)

Wilfried Schaus-Sahm zeigt neue Werkreihen, u.a. eine 30-teilige Hommage an den Zeichner Horst Janssen. Der Kölner Musiker, Komponist und Multiinstrumentalist Dirk Raulf spielt zur Eröffnung am 23. Januar 2016 Stücke seines aktuellen Soloalbums.

 

 

passagiere2 gedichte von wilfried schaus-sahm

ab sofort als ebook in den onlineshops der großen deutschen buchhändler wie thalia.de, weltbild.de, hugendubel.de, derclub.de, buecher.de, ebook.de und vielen mehr erhältlich.
„beredt sprachlos“ betitelte marcus daniel cremer 1989 die auswahl von gedichten des studierten philosophen wilfried schaus-sahm, die er als band 1 seiner edition mdc herausbrachte. schaus-sahm, der u.a. das 1997 von ihm konzipierte internationale traumzeit-festival in duisburg leitete und aktuell das sommerton festival am niederrhein programmiert, trat seitdem in mehreren einzelausstellungen als maler, grafiker und fotograf hervor. er hat die inzwischen vergriffene gedichtsammlung nunmehr um texte erweitert, die über die jahre hinzugekommen sind. die gedichte werfen einen staunenden, mal liebevollen, mal skeptischen blick auf die dinge des alltags und die conditio humana. sie zeugen von der ungebrochenen neugier des autors und seinem bestreben, sich einen „eigenen reim“ auf die welt zu machen.

veröffentlichungen: beredt sprachlos : gedichte / von wilfried schaus-sahm, wilfried schaus-sahm,
cremer gladbeck, 1989, isbn 3927488003

christiane schlüter: hinter den worten warten die wunder, jokers augsburg 2011, isbn 978-3-86800-462-5

volker beushausen: where are we landed here …? : 10 jahre traumzeit-festival ; 1997 – 2006;
eine fotografische retrospektive, klartext-verlag essen 2006, isbn 389861543x

robert von zahn: jazz in duisburg, in: jazz in nordrhein-westfalen seit 1946, köln, emons 1999

frankfurter bibliothek. jahrbuch für das neue gedicht, brentano-gesellschaft (frankfurt / m.): gedicht und gesellschaft 2012, isbn 978-3-933800-34-3

 

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Falls Gott die Welt geschaffen hat, war seine Hauptsorge sicher nicht, sie so zu machen, dass wir sie verstehen können.“ (Albert Einstein)

Das Wissen und der Glaube

Einführung

1,26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land.

1,27 Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.

Man kann davon ausgehen, dass Gerhard Mercator keine Zweifel an der biblischen Schöpfungsgeschichte hegte. Als tiefgläubiger Mensch plante er – ausgehend von der Schöpfungsgeschichte – eine Beschreibung des Kosmos (*), wobei er dem griechischen Begriff gemäß alles Geschaffene als Einheit von Ordnung und Schönheit auffasste. Ein Unterfangen, das noch Alexander von Humboldt in seinem Lebenswerk in Angriff nehmen wollte. Wer sich heute mit Gerhard Mercator und seinem Zeitalter beschäftigt, kommt nicht umhin, sich auch „letzte“ Fragen zu stellen, die in der Philosophie ontologisch genannt werden, also auch die Frage, ob dem Kosmos etwas zugrunde liegt, das Stephen Hawking als „den großen Entwurf“ umschreibt oder „Der Spiegel“ „das unsterbliche Gerücht“ nennt. Als Mercator den Magnetpol vom Himmel auf die Erde verlegte, geriet seine wissenschaftliche Erkenntnis in Widerspruch zu den Dogmen der Kirche. Er wurde von Inquisitoren der „luttherey“ bezichtigt und kurzzeitig inhaftiert. Mercators Leben und Wirken ist ein Beispiel für das Dilemma von Forschungsdrang und Bibelglaube, das den Aufbruch zur Moderne kennzeichnet, in einem erodierenden Prozess zum Verlust der kirchlichen Deutungshoheit führte und in der Aufklärung schließlich im Kantschen Postulat „sapere aude!“ – „wage zu denken!“ gipfelte. Es war dann dem studierten Theologen Charles Darwin vorbehalten, eine zweite Revolution des christlichen Weltbildes in Gang zu setzten, als er darauf, beharrte, seine Theorie der Entwicklung der Arten nicht theologisch, sondern naturwissenschaftlich zu begründen. Mehr als 500 Jahre nach Mercator ist die Freiheit des Denkens und die Freiheit der Wissenschaft weltweit keine Selbstverständlichkeit und wird durch religiösen Fanatismus und religiös motivierte Gewalt bedroht.

Auch in unserer säkularisierten Gesellschaft, in der die früheren engen Bindungen an die Religion gelöst und das gesellschaftliche Leben zunehmend auf Basis menschlicher Vernunft begründet wurde, gilt es, die Errungenschaften des Humanismus und der Aufklärung ständig vor Gefährdung zu schützen.

Im Spannungsverhältnis von Wissen und Glauben kann man vermuten, dass der Kosmologe Gerhard Mercator dem Kosmologen Albert Einstein zugestimmt hätte: „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“

Wilfried Schaus-Sahm (Konzept und Programm) (Mercator Gesellschaft Duisburg)

 

idol „das besondere stück“ – kleinode aus der sammlung köhler-osbahr

unter diesem motto stellt wilfried schaus-sahm herausragende einzelstücke der münz- und antikensammlung köhler-osbahr vor, die in der ‚aktuellen vitrine‘ im kultur- und stadthistorischen museum zu sehen sind.ist das moderne kunst? man könnte es vermuten, doch die nur knapp 11 cm große figur wurde bereits 1200 – 1000 v.chr. in bronze gegossen.

derartige kleinplastiken aus der vor- und frühgeschichte werden als idole bezeichnet, weil man davon ausgehen kann, dass sie eine kultische bedeutung hatten.

sie könnten objekte eines zeremoniellen tauschhandels gewesen sein oder eine rolle in begräbnisriten gespielt haben. der große aufwand zu ihrer herstellung, die wahl des edlen materials und nicht zuletzt ihr ästhetischer wert deuten darauf hin, dass sie ein kostbarer persönlicher besitz waren und vereinzelt ihrem besitzer ins grab beigegeben wurden. mit dem aufkommen der abstrakten kunst im 20. jahrhundert wurden die idole wieder entdeckt. bedeutende künstler der moderne griffen die prähistorische bildsprache auf. hans arp zum beispiel oder auch constantin brancusi orientierten sich bei ihren plastiken an den wiederentdeckten vorbildern.

das in der aktuellen vitrine der köhler-osbar-sammlung ausgestellte männliche idol läuft von der körpermitte nach unten – wie ein nagel – spitz zu und stammt aus nord-ost-anatolischem gebiet. mit seinem vogelartig modellierten kopf und den ausgebreiteten armen verblüfft es den betrachter tatsächlich durch seine scheinbar abstrakt-moderne gestaltung.

die sammlung der köhler-osbar-stiftung befindet sich im kultur-und stadthistorischen museum, corputius-platz 1 und ist dienstags bis donnerstags von 10 – 17 uhr, freitags von 10-14 uhr, samstags von 10-17 uhr und sonntags von 10-18 uhr geöffnet.

matinee2014 «Ich möchte Weltenbürger sein, überall zu hause und überall unterwegs.»
(Erasmus von Rotterdam, 1465 – 1536)

 

Mercator war ein Stubenhocker

Einführung

Von Blaise Pascal stammt die Vermutung, dass alles Unheil in der Welt letztlich daher rührt, dass der Mensch nicht zu Hause bleiben und still sein kann. Nun scheint es aber in unserer Natur zu liegen, keine Grenzen, auch keine geographischen, akzeptieren zu können. Bei der dritten Staffel der Mercator Matinéen haben wir deshalb dem Thema Reisen und Entdecken – im weit gefassten Sinne – einen Schwerpunkt gewidmet. Zu Beginn der Neuzeit hatte sich die Mobilität der menschlichen Spezies in dramatischer Weise entwickelt. Der Bau hochseetauglicher Schiffe vom Karavellen-Typus, aus der arabischen Welt stammende Kenntnisse über die astronomische Nautik, die Instrumentenverbesserung der Astrolabien und Quadranten machten monatelange Seefahrtsexpeditionen möglich. Gerhard Mercators geniale Idee der Kartenprojektion bot endlich bislang ungeahnte Sicherheit bei der Navigation und seine wegweisenden Ideen befinden sich heute in jedem GPS-Gerät. Obwohl selbst ein Stubenhocker, hat Mercator das Reisen enorm erleichtert. Seine kartographische Arbeit gründete nicht zuletzt wiederum auf Reise- und Expeditionsberichten. Die Beschwernisse solcher Unternehmungen – ob zu Land oder zur See sind aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehbar. Es heißt, dass Mercator solche Beschwernisse auch ungern auf sich nahm. Die Erfindung des Automobils, erst recht die Erfindung des Flugzeugs, der Bau ozeantauglicher Kreuzfahrtschiffe, die schwimmenden Städten gleichen, haben eine Industrie entstehen lassen, deren Auswirkungen auf unser Wirtschaftssystem und unsere ökologischen Lebensbedingungen immer dramatischer zutage treten. In diesem Zeitalter der billigen Verkehrsmittel kann jeder vom Sofa per Computer für den nächsten Tag einen Flug nach Mallorca buchen, der weniger kostet, als eine Taxifahrt vom Duisburger Süden zum Duisburger Norden. Die Folgen für die Atmosphäre verdrängen wir dabei gerne – ein Phänomen, das die Wissenschaft „Causale Distanz“ nennt. Wir lassen uns in unseren Fahrzeugen von einer freundlichen Computerstimme zur „Destination“ leiten und sind unterwegs in Welten, von denen Mercator oder Kepler nur träumen konnten. Die Reise ins Weltall ist keine Utopie mehr und der Weltraumtourismus lediglich noch eine Frage der Zeit. Nur der größte Lebensraum der Erde – tausende Meter tief im Ozean –ist bis heute nicht kartographiert und uns größtenteils unbekannt. Es waren mehr Astronauten im Weltall als Menschen in der Dämmerwelt der Tiefsee. Ich wünsche uns allen unterhaltsame und erkenntnisreiche Mercator Matinéen 2014. Eine von Marcel Proust einst formulierte Erkenntnis könnte dazu gehören: „Die wahren Entdeckungen bestehen nicht darin, neue Landschaften aufzusuchen, sondern neue Augen zu haben.“

wilfried schaus-sahm (idee, konzept, programm)

>> pdf – programm der mercator matinéen 2014