traumzeit

    

Plakatbeispiele / Logo: Prof. Manfred Vogel

 

Traumzeit Festival

Das im Landschaftspark Duisburg-Nord angesiedelte Festival wurde 1997 von Wilfried Schaus-Sahm für die Internationale Bauausstellung (IBA) erfunden und konzipiert. Es gewann unter der künstlerischen Leitung von Schaus-Sahm und unter Beteiligung von mehreren Redaktionen des Westdeutschen Rundfunks – WDR3 Jazzredaktion, WDR3 Redaktion Musikkulturen, WDR3 Studio Akustische Kunst -internationale Anerkennung. Nach 12 Jahren verließ Schaus-Sahm auf Grund von Auseinandersetzungen mit den Duisburger Kulturverantwortlichen über die programmatische Ausrichtung der Traumzeit das Festival.

Zu den Programmlinien des Traumzeit-Festivals gehörten bis 2008:

– jährliche Auftragskompositionen, (u.a. an Vince Mendoza, Joachim Kühn, Titi Robin, Nguyen Lee, Claude Chalhoub…… )

– die Reihe „Music for Silent Films“

– ein Programmblock „Musikkulturen“ in Kooperation mit WDR3

– ein Auftragswerk des „Studio akustische Kunst“ (WDR3)

– die Klangkunst-Ausstellung „Soundart“ in Kooperation mit WDR3

 

„I try to get nervous..“
Laurie Anderson beim Traumzeit-Festival 1997 in Duisburg

Die Premiere des Traumzeit-Festivals 1997 war eine Art Befreiungsschlag gegen die einseitige Ausrichtung des damaligen Duisburger Musiklebens. Es stellte Musik vor jenseits dessen, was vom langjährigen Kulturdezernenten Dr. Konrad Schilling als sanktionierte Musikkultur in der Stadt genehm war. Es gab zwar (in Konkurrenz zu den Kulturmetropolen in Köln, Berlin etc.) hochkarätige Musikfestivals zu Schubert, Prokofjev, Ives etc….. aber es gab auch einen blinden Fleck, eine Tabuzone im Kulturangebot. Schilling hat sich mit dem Traumzeit-Festival nie anfreunden können und noch Jahre später gegenüber der Presse (und im persönlichen Gespräch mit mir) fast angewidert klar gemacht, dass so etwas unnötig sei wie ein Kropf.

Für das Traumzeit-Festival wurde ab Herbst 1996 die Kraftzentrale des Landschaftsparks Nord mit Millionenaufwand spiel tauglich gemacht.
Die Performance von Laurie Anderson war dann ein Prolog vor dem eigentlichen Festivalprogramm, vor allem aber ein bewusst gesetztes Signal. Erstaunte Reaktionen registrierte man im Vorfeld beim überregional interessierten Publikum: Laurie Anderson … in Duisburg ? Genau das hatte ich gewollt. Der Start des Traumzeit-Festivals verhalf 1997 dem ehemaligen Eisenhüttengelände zu seiner Premiere als Kulturspielort. Das Foto von Laurie Anderson, die nun siebzig Jahre alt wird, stammt aus dem Archiven der Ruhrtriennale, die in der Folge unter Gerard Mortier und mit üppigem Budget die Industriedenkmäler des Ruhrgebiets bespielen konnte.

Das Festival punktete 1997 noch mit weiteren großen Namen (Juliette Gréco, Miriam Makeba, Joe Zawinul etc. etc.) aber eine sinnvolle, unverwechselbare Programmstruktur, die auf die neu hinzukommenden Spielstätten Gießhalle und Gebläsehalle ausgerichtet war, konnte ich für die Traumzeit erst über die nächsten 12 Jahre behutsam, aber doch konsequent mit Unterstützung von drei Redaktionen des WDR herausbilden. Das betraf die Verbindung zu anderen Kunstformen wie der akustischen Kunst, später als eigene Klangkunstausstellung „SoundArt“, jährliche Stummfilmprojekte und Auftragskompositionen sowie vor allem einen Programmblock „Musikkulturen“.
Das alles ist bekanntlich Geschichte und die Traumzeit ist auch nicht mehr die Traumzeit. Anlässlich des 70. Geburtstages von Laurie Anderson denke ich aber gerne an diese bemerkenswerte Frau und die genauso bemerkenswerten Begleitumstände ihres damaligen Auftritts zurück.

Am Düsseldorfer Flughafen begrüßte ich eine äußerst bescheiden auftretende, sehr freundliche Person mit kleinem Gepäck und Geigenkoffer. Sie erzählt auf der Fahrt zum Hotel von einem großen Multi-Media-Spektakel, für das überdimensionale Zylinderhüte gefertigt werden müssen, die nun endlich geliefert würden. Das mache sie überglücklich. Nach dem Einchecken im Hotel besucht Sie auf meine Empfehlung das Wilhelm-Lehmbruck-Museum und danach steht der Soundcheck in der Kraftzentrale an. Dieser Soundcheck wird dann nach meiner Erinnerung ganze sieben Stunden dauern. Ein Marathon, mit dem man normalerweise jede Crew und jeden Soundingenieur zur Weißglut treiben könnte, hier hatte man den Eindruck, dass es gerne auch noch stundenlang hätte weitergehen können, so harmonisch, fast freundschaftlich entwickelte sich das Verhältnis zwischen ihr und den Technikern. Sie fragt, ob man einige Teile ihres recht wortlastigen Programms eventuell ins Deutsche übersetzen könnte. Wird kurzfristig arrangiert und in der Nacht lernt sie tatsächlich auch noch die deutschen Passagen.

Am nächsten Abend stehe ich kurz vor ihrem Auftritt mit ihr neben der Bühne und versuche noch ein wenig Small Talk. Auf meine Frage, wie Sie sich jetzt innerlich vorbereite, kommt die verblüffende Antwort: „I try to get nervous.“ Das angesichts eines Programms, das von einer Reihe elektronischer Effekte lebt und abhängt – ich frage, was sie denn macht, wenn die Technik ausfällt und sie flüstert lächelnd „I am dancing in the dark“

Das Konzert wird erwartungsgemäß ein großer Erfolg.
Laurie Anderson verabschiedet sich am nächsten Tag mit den Worten : „This was a perfect day.“

(Wilfried Schaus-Sahm, Juni 2017)

Zum Tod von Al Jarreau

Als Al Jarreau 1998 beim Traumzeit-Festival in Duisburg auftrat, gab er der Presse zuvor ein langes Interview, in dem er die Transformation des ehemaligen Eisenhüttenwerks in einen gewaltigen Kulturraum bewunderte und man hatte nicht den Eindruck, dass hier nur ein gewiefter Showprofi dem Veranstalter schmeicheln wollte. Er soll sogar die Aussichtsplattform des Hochofens bestiegen haben. Vor seinem Konzert hat unsere Crew ihn mit Freude und Sympathie umsorgt. Statt der erlesenen Cateringwünsche, die wir von anderen Stars gewohnt waren, fand sich in seinem Rider nur ein sonderlicher Brei, den wir ihm kochen sollten und der ihm dann die körperliche Energie für seine lange Performance lieferte. Voller Lob war er auch für die vor ihm auftretenden Musiker, die er sich anhörte. Keine Diva, die den Abend und die Aufmerksamkeit eitel für sich beanspruchte.
Ein bescheidener, wunderbarer Mensch, ein großer Künstler. Wir denken liebevoll an Ihn zurück.

(Wilfried Schaus-Sahm, Juli 2017)

________________________________________________________________________________________________________________

Die Programme der Traumzeit-Festivals von 1997 bis 2008

1997

Laurie Anderson

Aziza Mustafa Zadeh

String Thing

Juliette Gréco

Trilok Gurtu & The Glimpse

Joe Zawinul

Michael Riessler Trio

Mari Boine

Rabih Abou-Khalil

Maria João

Miriam Makeba

 

1998

Renaud Garcia-Fons „Oriental Bass”

Cassandra Wilson

Abdullah Ibrahim & Ladysmith Black Mambazoo

Greenfish

Klezmatics & Chava Alberstein

Al Di Meola World Sinfonia with

Aziza Mustafa Zadeh and Dino Saluzzi

Mich Gerber/Gert Stäuble

Tim Isfort Orchester

Al Jarreau

 

1999

Philip Catherine Trio

Hubert Nuss Trio

Madredeus

Bratsch

Rokia Traoré

Taj Mahal and the Hula Blues

Orquestra Ibrahim Ferrer & Ruben Gonz

alez y su grupo feat. Omara

Portuondo

Christoph Haberer

Chick Corea’s „Origin”

feat. GaryBurton

Salif Keita

 

2000

Tuck & Patti

McCoy Tyner Trio

Amanda „Café Creole“

Jean-Paul Bourelly feat. Archie Shepp

Okay Temiz „Zurna Project“

Cicula Mvta

Maria Ochoa y Corazón de Son

Jan Garbarek Group

Rafael Cortés y su Grupo

Tata Dindin & Hans Lüdemann

Chano Dominguez Ensemble

Goran Bregovic

 

2001

Peter Bolte

Efim Jourist Quartett

Kari Bremnes

John McLaughlin Remember Shakti

Omar Sosa

La Vieja Trova Santiaguera

Gianluigi Trovesi Octett

Didier Squiban

Paco de Lucia Septett

 

2002

Ghalia Benali & Timnaa

Joachim Kühns Projekt „Zeitgeschehen“

Oregon

Egschiglen

Yungchen Lhamo

Cicala Mvta

Kathy Rose (Tanz- und Film-Performance)

Mardi Gras

Willy DeVille

Blas Riveras Jazz and Tango Embrace

Sonos E Memoria (von Paolo Fresu u.a.)

Manitas de Plata

 

2003

Beth Gibbons & Rustin‘ Man

Support: Midnight Choir

Värttinä

Tin Hat Trio

Gonzalo Rubalcaba / David Sanchez Quartet

Julia Hülsmann Trio featuring Rebekka Bakken

Herbie Hancock Quartet feat

uring Bobby Hutcherson

FX Randomiz (Cologne) meet

s Janek Schaefer (London)

Susanne Lundeng

Bulgarian Voices ANGELITE & Fanfare Ciocarlia: Balkan Passions

Ayse Tütüncü Piano Percussion Group

Mayte Martin Duo

Claude Chalhoub Ensemble featuring Trilok Gurtu,

Gilad Atzmon & Indigo String Octet

Wayne Shorter Quintet

Jazzarabe – WDR Big Band & Guests

 

2004

The World Quintett

Kora Jazz Trio

Cesaria Evora

WDR-Musikkulturen Spanischer Schwerpunkt

Diego El Cigala

World Clarinet Quartet

Auftragskomposition für das Traumzeitfestival 2004

Marcus Miller Group

WDR Big Band featuring Joyce

The Music of Bill Frisell with Silent Films

Bobby McFerrin meets Philharmonischen Chor Duisburg

Scratch 78

Kunstprojekte

Off Beats

 

2005

New Tango Orquestra

Barbara Buchholz / Olga Kumeger: theremin_russiawithlove

The Chieftains

KONONO N°1: Congotronics

La Chicana: Tango-Poesie

Boban Markovic Orkestar: Gypsy Blechmusik

Rabih Abou-Khalil & Ensemble Modern

Antonio Faraò Trio

WDR Big Band feat. Toots Thielemans: Toots’ Moods

Werner Cee: Fire and Forget

BusRatch

Darko Rundek & Cargo Orkestar

Niels Klein Tentett

Louis Sclavis: Dans La Nuit Music for

the Silent Movie by Charles Vanel

Dr.John

 

2006

Van Morrison with special gues

t Candy Dulfer – Support: BAUM

Rodrigo y Gabriela

Balanescu Quartet: Maria T.

Misia

Doudou N’Diaye Rose

Stahlquartett Dresden

Suden Aika

Madagascar Allstars

Michael Nyman: The Man with a Movie Camera

Nguyên Lê Septett

Stefano Bollani & Stian Carstensen

WDR Big Band mit Klaus Doldinger & Passport & Gästen

Cetacea – Eine Komposition von Michael Fahres u.a. mit Doudou

N’Diaye Rose

Julian und Roman Wasserfuhr Quartett

Steffen Schorn Septett

Sonny Rollins

 

2007

Mino Cinelu

Nik Bärtsch RONIN

The Nigel Kennedy Quintet

Väsen

WAI

Tapesh 2012

[em] Wollny/Kruse/Schaefer

Vince Mendoza (Blauklang – WDR3-A

uftragskomposition des Traumzeit-

Festivals)

Bobby McFerrin and Voicestra

Frederik Köster Quartett

HDV Trio

Coustics

Music for silent Movies (Willem B

reuker Kollektief: Faust, eine deutsche

Volkssage)

Gotan Project

Studio Akustische Kunst – Ohr am Gleis

Ausstellung – SoundART

 

2008

Turtle Island Quartet

Ghazal

Brad Mehldau Trio

Bellowhead

Trabuco

Toto Bona Lokua

radio.string.quartet.vienna

John McLaughlin and the 4th Dimension

NoTango & Strings

Source Direct

Titi Robin – Faiz Ali Faiz and his Ensemble – JAADU

(Auftragskomposition des Traumzeit-

Festivals in Kooperation mit dem

Festival Saint-Denis/Paris)

MUSIC FOR SILENT MOVIES – Rita Marcotulli (Hommage á Truffaut)

Solomon Burke