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Die Abenteuer des Prinzen Achmed

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Scherenschnittfilm von Lotte Reiniger (1926) mit neuer Live-Musik des „Renaud García-Fons Sextett“
Eine Auftragskomposition für das Kurt Weill Fest 2011

Idee und Konzept: Wilfried Schaus-Sahm

Lotte Reinigers »Die Abenteuer des Prinzen Achmed« aus dem Jahr 1926 ist der älteste noch erhaltene Animationsfilm der Welt. Seine Handlungsmotive sind aus »Tausendundeiner Nacht« entlehnt. Die Idee, mit Renaud García-Fons ein neues Werk für den Scherenschnittfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ zu schaffen, kam vom ehemaligen Intendanten des Traumzeitfestival Duisburg, der eines seiner Lieblingsprojekte nicht mehr realisieren konnte. Dank der finanziellen Unterstützung des Voerder Unternehmers Dr. Michael Patt wurde die Auftragskomposition für das Kurt-Weill-Fest im März 2011 auf der historischen Bühne des Bauhauses zur Uraufführung gebracht und mit stehenden Ovationen gefeiert. Inzwischen sind Film und Live-Musik europaweit mehrfach vor begeistertem Publikum aufgeführt worden.

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Plakat zur Aufführung in Glasgow

Lotte Reiniger

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Ein Glastisch, eine Kamera, handgeschnittene Silhouetten und über 90000 Einstellungen in drei Jahren. Lotte Reiniger 1926 bei der Arbeit

Silhouetten und Schattentheater waren schon als Schülerin das Steckenpferd der im Jahre 1899 in Berlin geborenen Lotte Reiniger. Ihrem ersten Film »Das Ornament des verliebten Herzens« (1919) folgten die erste Märchenverfilmung (»Aschenputtel«, 1922) und zahlreiche Werbefilme. In dreijähriger Arbeit entstand schließlich ihr berühmtestes Werk »Die Abenteuer des Prinzen Achmed«, das 1926 uraufgeführt wurde und als erster abendfüllender Trickfilm in die Filmgeschichte einging.

 

 

Renaud García-Fons

In einem für das „Jazzpodium“ geführten Interview spricht der Komponist über seine Begegnung mit jenem Filmklassiker, der in aus 99.000 Einzelbildern entstand und mit dem Lotte Reiniger Pionierarbeit im Genre des Trickfilms leistete:

„Als ich den Film zum ersten Mal sah, fühlte ich mich in eine Traumwelt voller Geheimnisse, Abenteuer und Leidenschaften versetzt. Ich verspürte eine Faszination und Gefühlsweite, wie ich sie seit meiner Kindheit nicht mehr erfahren hatte…ich empfand ihn als ein universelles Epos, das Ästhetik, Poesie und äußerste Schönheit verbindet und die Magie der Märchen und Sagen des Orients herbeizaubert. Zu diesem Meisterwerk der deutschen Filmkunst eine Musik komponieren zu dürfen, war für mich eine besonders aufregende Herausforderung. Um dafür eine Partitur zu schaffen, verband ich Instrumente, die sich zu einer multikulturellen Musik zusammenfinden können, die Orient und Okzident zum Klingen bringen. Ich wollte die orientalische Ästhetik mit ihrem Spiel der Klänge, Tonarten, Ausschmückungen und Rhythmen vereinen mit der okzidentalen Ästhetik, mit ihrem harmonischen Stil, der Orchestrierung, der Struktur, der Komposition und der symphonischen Dimension. Der Film bleibt konstant das führende, inspirierende Element und dabei ist die Musik so stark, dass sie für sich selbst stehen kann – als eine Art „Prinz Achmed Suite“.

Besetzung:

Renaud García-Fons – Kontrabass

Franck Tortiller – Marimbaphon

Henri Tournier – Flöte

Claire Antonini – Laute

David Venitucci – Akkordeon

Bruno Caillat – Percussion

„Es ist, als blättere man in einem Bilderbuch der Welt, ohne Eile und mit geschärftem Blick für die Schönheiten…“ (Tim Gorbauch, Frankfurter Rundschau)

 

Kurt Weill Fest Dessau

Seine Begeisterung bei der Uraufführung bewog Professor Micheal Kaufmann (Intendant des Kurt Weill Festes Dessau) dazu, die Schirmherrschaft für die Aufführung 2012 bei den „Marienthaler Festspielen“ am Niederrhein mit den folgenden Worten zu übernehmen:

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„Eine meiner besonderen Sternstunden: Tausendundeine Nacht auf der historischen Bühne des Bauhaus Dessau! Dank des fantastischen Scherenschnitt-Films von Lotte Reiniger aus dem Jahr 1926 und der wunderbaren, bezaubernden, grenzüberschreitenden Musik von Renaud Garcia-Fons wurde „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ im März 2011 zu einem der Höhepunkt in 20 Jahren Kurt Weill Fest. Der schwebende Film und die großartigen Musiker entführten uns in ein Land, das wir vorher noch nicht kannten. Ein Abend voller Poesie, ein Abend, der uns verdeutlichte, wie sehr unsere eigenen Abenteuer eben nur in unseren Köpfen wohnen können. Ein Geschenk!“
Michael Kaufmann

 

Bilder von der zweifachen Uraufführung auf der historischen Bühne des Bauhaus Dessau

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Renaud García-Fons

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Renaud Garcia-Fons (Foto: Volker Beushausen)

„Der Beitrag von Renaud García-Fons übertrifft alles, was im Jazz bis dato … auf dem Kontrabass möglich schien“ lobte Martin Kunzler schon 2002 den „Paganini des Kontrabass“ im Jazz-Lexikon. 2009 wurde er mit dem Solo Performing Award der International Society of Bassists ausgezeichnet. Das Montreal Jazz Festival ehrte ihn im Juli 2009 mit einer „Carte Blanche“. 2010 erhielt er den ECHO Jazz in der Kategorie Bester Internationaler Instrumentalist für sein Album „La Línea del Sur“. Im Juni 2012 wurde er für sein Album „Méditerranées“ mit dem ECHO Jazz als Bester Instrumentalist International in der Kategorie Bass/Bassgitarre gewürdigt.

“Ich habe immer daran gearbeitet, Musik ohne Abgrenzungen…zu erschaffen, eine Musik, die Brücken zwischen Jazz, Klassik und Folklore des Mittelmeerraums, des Orients und des Lateinamerikanischen schafft, um eine imaginäre Reise zwischen dem endlosen Raum und der Zeit zurückzulegen… ich habe das tiefe Empfinden, dass es nur eine Musik gibt. Die Musik ist wie ein Diamant und jede ihrer Facetten nur eine andere Brechung des Lichtes in diesem Stein. “
R. García-Fons

Homepage:

www.renaudgarciafons.com

 

Interview Renaud Garcia-Fons mit Tobias Richtsteig

Renaud Garcia-Fons „Prince Ahmed“

Zum 85. Jubiläum des 1926 entstandenen Animationsfilms “Die Abenteuer des Prinzen Achmed” von Lotte Reiniger bat das Kurt-Weill-Fest Renaud Garcia-Fons um eine neue, zeitgemäße Filmmusik. Mit seinem Sextett gelingt ihm der Brückenschlag zwischen dem sehnsüchtigen Blick der Moderne auf die Märchenwelt des Orients – und einem Jazz, der sich längst als „grenzenlose“ Weltmusik versteht.

Renaud Garcia-Fons, was dachten Sie, als Sie Lotte Reinigers „Prince Ahmed“ zum ersten Mal sahen?

Ich war einerseits von dem feinen Detailreichtum der Bilder überwältigt, aber auch von diesem Mix zweier Geschichten: Da ist Abenteuer und Liebe, andererseits der symbolische Kampf des Guten gegen das Böse . Das ist sehr poetisch erzählt. Der Film mit seinen Scherenschnitt-Figuren in der Art des indonesischen Wayang- Schattenspiel-Theaters schafft die Vision eines imaginären Orients, im weitesten Sinne. Eines Fernen Ostens ohne Grenzen.

Die Geschichte von „Prince Ahmed“ greift Motive aus „Tausendundeiner Nacht“ auf. Immer wieder haben sich klassische Komponisten wie z.B. Rimsky-Korsakow davon inspirieren lassen. Haben Sie sich auch mit diesen Vorgängern auseinandergesetzt?

Als ich über „Prince Achmed“ nachdachte, hörte ich sofort ein Treffen verschiedener Musiken, darunter auch klassische russische Sinfonik. Die Traditionen des Westens, also okzidentale, fließen hier mit der alten Kultur des Orients zusammen. Aber ich wollte diese Geschichte aus meinem musikalischen Instinkt heraus begleiten. So als wäre ich der Erste, der Musik zu diesen Bildern findet. Auch wenn ich den ursprünglichen Komponisten, Wolfgang Zeller, sehr schätze, ich mag den Gedanken, dass ich, während ich an „Prince Ahmed“ schrieb, mit Lotte Reiniger in Verbindung stand.

Sie zählen mit ihrem „singenden“ Ton zu den stilprägenden Kontrabassisten unserer Zeit. Ihre Alben verbinden Elemente aus Afrika und Europa mit dem Jazz. Fühlen Sie sich da als Filmkomponist, der ja den Bildern dienen muss, nicht unterfordert?

Nein. Die Musik ist so stark, dass sie gut für sich selbst stehen kann. Man muss auch den Film nicht kennen, für den sie geschrieben wurde. Es ist eine Art „Prince Ahmed“-Suite.

Tobias Richtsteig