mercator matinéen

„Es ist eine neue Zeit. Die alte Zeit ist vorbei. Die Menschheit erwartet etwas. Es ist eine große Lust aufgekommen, die Ursache aller Dinge zu erforschen. Jeden Tag wird etwas gefunden. Die alten Lehren, die tausend Jahre geglaubt wurden, sollen nicht mehr gelten.“ (Bertold Brecht. Das Leben des Galilei)

Ein Zitat aus Bertold Brechts Theaterstück „Das Leben des Galilei“ steht als Motto über der Veranstaltungsreihe der Mercator – Matinéen. Es beschreibt ein Jahrhundert, das ein neues Bild der Welt und ein neues Bild des Menschen prägte, die Wissenschaft von ihren religiösen Fesseln befreite und für unsere Gegenwart von immenser Bedeutung ist. Im 16. Jahrhundert geriet das von der Kirche gepredigte Weltbild, in dem die Erde als die Mitte des Universums galt, durch die Theorien von Nicolaus Copernicus, Johannes Kepler und Galileo Galilei ins Wanken. Brecht lässt Galileo in seinem Theaterstück den Widerspruch von wissenschaftlicher Forschung und theologischer Deutungshoheit mit einem bissigen Aperçu auf den Punkt bringen: „Die Winkelsumme im Dreieck kann nicht nach den Bedürfnissen der Kirche abgeändert werden.“ Wie zuvor Thomas von Aquin den Aristotelischen Materialismus mit der scholastischen Schöpfungslehre in Einklang zu bringen versuchte, ist auch Gerhard Mercator durchaus noch bemüht, die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse mit der Bibel zu versöhnen. Seine im Prinzip konservative religiöse Haltung wird dabei aber bereits durch seine eigenen Forschungsergebnisse – so z.B. die Erkenntnis, dass der Magnetpol eine irdische, keine himmlische Angelegenheit ist – relativiert. Auch Mercator ist nicht davor gefeit, der „Lutherey“ bezichtigt zu werden, er wird für kurze Zeit eingekerkert. Dennoch, der unaufhaltsam fortschreitende Prozess der Neuorientierung schuf das geistige Klima einer neuen Epoche, der Renaissance, die sich vom Mittelalter und der Scholastik abwandte und als Leitbild die antike Bildung und das lebensbejahende, schöpferische Individuum in den Vordergrund stellte. In einer Folge von Vorträgen und Lesungen werden einige Aspekte dieses spannenden Jahrhunderts beleuchten, in dem Gerhard Mercator sein bedeutendes Werk schuf, das bis heute nicht an Aktualität verloren hat.

Die Duisburger Mercator Matinéen, die gemeinsam vom Kultur-und Stadthistorischen Museum, der Mercator-Gesellschaft Duisburg, der Duisburger Bürgerstiftung und der Volkshoschule veranstaltet werden, versuchen Mercators wegweisende kartographische Leistungen im Kontext seiner Zeit einzuordnen, einer Zeit bahnbrechender Neuerungen auf den Gebieten der Wissenschaft, der Kunst und der Philosophie. Die mit hochkarätigen Referenten und Rezitatoren aufwartende Veranstaltungsreihe zieht ein interessiertes Publikum aus Duisburg, den Duisburger Nachbarstädten und bei einigen Themen sogar aus den Niederlanden in das Kultur-und Stadthistorische Museum.

(Idee, Konzept und Programm: Wilfried Schaus-Sahm, Mitglied des Beirats der Mercator Gesellschaft Duisburg)

 

Die historische Leistung von Gerhard Mercator aus Duisburg.
Verständlich dargestellt von Harald Lesch bei Terra X. Die Mercator-Projektion feiert 2019 ihr  450-jähriges Jubiläum.

 

Die Programme der Mercator Matinéen seit 2012

Die bisherigen Programme der Mercator Matinéen als PDF:
2012
M-Matineen-Heft 2012
2013
M-Matineen-Heft_2013
2014
M-Matineen-Heft_2014
2015
M-Matineen-Heft 2015
2016
M-Matineen-Heft_2016
2017
M-Matineen_Heft_2017_12.1
2018
M-Matineen_Heft_2018_10.1
2019
M-Matineen_Heft_2019_17.1